/ Tagungen

Das CCI bietet eine Reihe von regelmäßigen Veranstaltungen an. Dazu gehören die visuelle Bilanz und das Heidelberger Forum Geschäftsberichte.

Darüber hinaus veranstaltet das CCI regelmäßig weitere Tagungen zum Thema Unternehmens- und Finanzkommunikation.

›DIE VISUELLE BILANZ‹

Jährlich veranstaltet das CCI in Kooperation mit EberlPrint, Immenstadt und Papyrus, Ettlingen, ›Die Visuelle Bilanz‹. Zielgruppe der eintägigen Veranstaltung sind Designer, Agenturen und Hersteller von Geschäftsberichten. Hier werden die aktuellen Ergebnisse des Wettbewerbs ›Die besten Geschäftsberichte‹ vorgestellt und diskursiv zu Designthemen rund um den Geschäftsbericht erörtert. Schwerpunkte sind die Prüfkriterien zur Gestaltung. Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft stellen dort Entwicklungen um das Thema Corporate Reporting vor.

HEIDELBERGER FORUM GESCHÄFTSBERICHTE

Seit 2005 veranstaltet das CCI im zweijährigen Turnus Ende September das ›Heidelberger Forum Geschäftsberichte‹ in Kooperation mit der Heidelberger Druckmaschinen AG. Zielgruppe des zweitägigen Forums sind Entscheider aus der Bereichen Unternehmenskommunikation und Investor Relations von Geschäftsberichte-publizierenden Unternehmen. Neben der Vorstellung der aktuellen Ergebnisse des Wettbewerbs ›Die besten Geschäftsberichte‹ durch die wissenschaftlichen Leiter der Prüfteams werden aktuelle Themen der Geschäftsberichte in den Fokus der Vorträge gestellt, z. B. Angemessenheit, Glaubwürdigkeit, Transparenz... Das Heidelberger Forum Geschäftsberichte hat sich mittlerweile zu der zentralen Institution für ›Best Practice Sharing zum Thema Geschäftsberichte‹ entwickelt.

ROUNDTABLE

Die Zukunft des Corporate Reporting - Bei der Veranstaltungsreihe ›RoundTable‹ handelt es sich um eine Initiative von Prof. Gisela Grosse (CCI Münster, Fachhochschule Münster), Prof. Dr. Tatjana Oberdörster (Westfälische Hochschule, Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre) und Dr. Matthias Schmidt (Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland). Mit einem kleinen Teilnehmerkreis von Unternehmen werden ein bis zwei Mal pro Jahr aktuelle Themen rund um die Unternehmensberichterstattung diskutiert. Der ›RoundTable‹ versteht sich als Impulsgeber und Austauschmöglichkeit für Geschäftsberichtsverantwortliche. Wenn Sie sich für die Teilnahme am ›RoundTable‹ interessieren, setzen Sie sich bitte mit uns in Verbindung. Kontaktformular

Weitere Tagungen

› Das Jurysystem der Analysen
› Symposium Geschäftsberichte
› Fotografie in Geschäftsberichten

 

/ DVB Archiv

Die Visuelle Bilanz

›DIE VISUELLE BILANZ‹ 2018

›DIE VISUELLE BILANZ‹ 2016

›DIE VISUELLE BILANZ‹ 2014

›DIE VISUELLE BILANZ‹ 2013

›DIE VISUELLE BILANZ‹ 2012

›DIE VISUELLE BILANZ‹ 2011

›DIE VISUELLE BILANZ‹ 2010

›DIE VISUELLE BILANZ‹ 2009

  • DIE VISUELLE BILANZ 2018

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›DIE VISUELLE BILANZ‹ 2018

Transparenz sichtbar machen

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Auf der diesjährigen Tagung „Visuelle Bilanz“ des CCI der FH Münster stand das „Corporate Social Responsibility – Richtlinien Umsetzungsgesetz“ (CSR RUG) im Mittelpunkt. Denn seit einem Jahr müssen Unternehmen ab einer bestimmten Größe ihrer Berichtspflicht zu Umwelt-, Arbeitnehmer- und Sozialbelangen, zur Achtung der Menschenrechte und zur Bekämpfung von Korruption und Bestechung nachkommen.

Wie kommunizieren Unternehmen ihre nachhaltige Wertschöpfung? Im Printbericht, im Online-Bericht oder in gesonderten Veröffentlichungen? Wie werden Umwelt-, Arbeitnehmer- und Sozialbelange sowie die Achtung der Menschenrechte und die Bekämpfung von Korruption dargestellt? Wie steht es um die gestalterische Qualität der Publikationen und was bedeutet die neue Herausforderung für den Arbeitsalltag der Kommunikationsverantwortlichen in den Unternehmen?
Antworten auf diese Fragen erhielten die rund 120 Besucher der Tagung von Experten, die ihre Sichtweisen auf diese Themen und Praxisbeispiele zur Gestaltung von Geschäftsberichten präsentierten. „Uns ist es wichtig, auf dieser Tagung vorzustellen, wie durch Gestaltung CSR-Themen veranschaulicht werden können“sagte CCI-Leiterin Prof. Gisela Grosse. Auch künftig werde es wichtige Themen geben, wie beispielsweise zum Medienmix innerhalb des Corporate Reporting.

 

›DIE VISUELLE BILANZ‹ 2016

EIN RÜCKBLICK AUF DIE  ›VISUELLE BILANZ‹ 

Der Geschäftsbericht bleibt – Print und Digital – die wichtigste Publikation eines Unternehmens. Er ist sozusagen der Schlüssel zu einem Unternehmen, dem man vertraut, dem man Geld gibt und der sich weltweit zu bewähren hat. Passt der Schlüssel nicht genau in das diffizile Schloss, das eine Unternehmenswelt preis gibt, dann stimmt etwas nicht. Entweder mit dem Schloss oder mit dem Schlüssel. So war es schon immer mit dem Medium Geschäftsbericht und trotzdem hat sich in nur wenigen Jahren sehr viel geändert. Es gab die alten Zeiten, da stand das nüchternste und reellste aller Bücher Jahr für Jahr um eines erweitert in den Regalen wie eine Akte.Mit wachsender Öffentlichkeitswahrnehmung hatten sich die Geschäftsberichte in der Konkurrenz eines bedeutenden medialen Wettbewerbs zu behaupten. Sie präsentierten sich exklusiv und ein-malig. Inzwischen hat sich der Geschäftsbericht dem Wandel angepasst. Print, HTML oder PDF? Oder kombiniert, oder geteilt – oder was sagt die Zukunft? 

 DIE FEINJUSTIERUNG DES MULTIMEDIALEN CORPORATE REPORTINGS

 Ins gediegene Backsteingebäude des ehemaligen Hamburger Hauptzollamts, umgeben von ruhenden Wassern der Speicherstadt, in dieses schön für Tagungen und Events hergerichtete Haus waren auf Einladung des CCI und von EBERL PRINT und PAPIER UNION mehr als 100 Vertreter von Agenturen und Unternehmen 

gekommen, um zu bekräftigen, was sie wussten, um zu lernen, was sie noch nicht kannten, und um besser zu verstehen, wohin die Reise geht. Als Grundlage für spätere Vorträge, die sich mit einer spielerischen Manipulation durch das Bewegte Bild und mit Big Data, mit der Künstlichen Intelligenz beschäftigen,  wurde erst einmal Arbeit am Gegenwärtigen geleistet: DIE VISUELLE BILANZ des Corporate Reporting 2016 Ergebnisse.  ZU DEN ERGEBNISSEN

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DIE VISUELLE BILANZ 2016 (Gisela Grosse)

Das CCI gab und gibt dem Thema Geschäftsbericht eine wertvolle Orientierung und ermöglicht mit ihrer wissen­schaftlichen Grundierung eine zukunftsweisende, seriöse Weiterentwicklung. Auch aus diesem Grund finden sich immer wieder Profis zum ›HEIDELBERGER FORUM‹ und zur ›VISUELLEN BILANZ‹ zusammen, die das CCI turnusmäßig veranstaltet. Wenn es auch den MM-Wettbewerb als unabhängige Benchmark nicht mehr gibt, blickt die Zunft umso mehr auf diese Veranstaltungen: Das CCI liefert keine Ergänzung zum Wettbewerbszirkus. Es ist etwas anderes: Hier wird unabhängig gearbeitet, wissenschaftlich geforscht und informiert. In Zeiten medialer Umbrüche ist dieses Institut nicht nur der Fels in der Brandung, es begleitet und analysiert und es bietet durch seine Foren willkommene Möglichkeiten zum Austausch und zur Weiterentwicklung.

»Ein Ranking im klassischen Sinne gibt es in diesem Jahr auch deshalb nicht mehr, weil in der Gemengelage inzwischen ein Überangebot an Wettbewerben existiert, die sich gegenseitig kannibalisieren und von Unternehmen auch nicht mehr ernst genommen werden (müssen). Vielmehr kategorisieren wir die Berichte in Herausragend / über Standard / Standard / unter Standard und weit unter Standard«, teilte Professor Gisela Grosse bereits zur Begrüßung in Hamburg mit.  

Ein erstaunliches Ergebnis lässt aufhorchen: Die durchschnittliche Qualität für die Gestaltung der Geschäftsberichte im Printbereich
fiel in den letzten drei Jahren von 67,1 % auf 61,8 % zurück – wohingegen im gleichen Zeitraum die mittleren Werte Online steigen. Hinsichtlich der Inhalte hat Grosse festgestellt: »Nur 13 Prozent der Konzerne publizieren einen integrierten Bericht«.

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REPORTING 2016 – RÜCKBLICK, AUSBLICK – WIDERSPRÜCHLICHKEITEN (Tatjana Oberdörster)

An diese Analyse konnte Professor Dr. Tatjana Oberdörster in ihrem Vortrag über gesetzliche Anforderungen zur Umsetzung der CSR-Richtlinie anschließen. Für sie steht fest, das Ziel des Geschäftsberichts bleiben die Analysten und Shareholder.

Oberdörster erläutert, dass die bisherigen Informationspflichten zur ›Corporate Social Responsibility‹ der Unternehmen bzw. über nichtfinanzielle Aspekte der Unternehmensführung den Charakter von Empfehlungen hatten. Entsprechend unterschiedlich wurde das The-ma Nachhaltigkeit in den Unternehmen gehandhabt. 

Mit dem aktuellen Gesetzesentwurf der Bundesregierung vom 21.9.2016 werden die CSR-Berichtspflichten deutlich verschärft. Ab 2017 müssen Unternehmen ihre CSR-Konzepte im Lagebericht offenlegen und Informationen zu Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelangen sowie zur Achtung der Menschenrechte und zur Bekämpfung von Korruption und Bestechung liefern. Welche Kriterien hier neben bereits bekannten (z. B. in der CO2-Bilanzierung) Anwendung finden werden, ist derzeit noch unübersichtlich. Die Referentin nannte einige Unternehmen, die sich mit den nichtfinanziellen Leistungsindikatoren als entscheidungsrelevanten Informationen intensiv auseinandersetzen und auch aus ihrer Sicht gute integrierte Berichte publizieren. Das Berichtsjahr 2017 lässt dazu auf jeden Fall eine Reihe neuer Erkenntnisse und Gesprächsbedarf erwarten.

Aber nicht nur das Thema Nachhaltigkeit im Geschäftsbericht wird auf neue Füße gestellt. Oberdörster weist darauf hin, dass künftig auch neue Regulierungen in der klimabezogenen Finanzberichterstattung zu erwarten sind. Die Unternehmen werden also konkreter berichten müssen, welchen Beitrag sie für den Klimaschutz leisten.

Professorin Oberdörster sieht in den neuen gesetzlichen Anforderungen der Berichterstattung auch eine Chance, den Geschäftsbericht von ›leerer Rhetorik‹ zu bereinigen. Zum Begreifen dieser Notwendigkeiten gehört wohl auch ein sich veränderndes Bewusstsein der Stakeholder, die dem Geschäftsbericht nicht mehr bibelgläubig vertrauen, sondern sich – ermuntert durch soziale Medien, durch kritische Öffentlichkeitsarbeit – eine gewisse Skepsis aneignen. Die Blauäugigkeit hat sich eine 3D-Brille aufgesetzt und sieht schärfer. 

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 DAS FORSCHUNGSLABOR CCI HILFT ZUKUNFT ZU ERKENNEN (Gisela Grosse)

Die Bewertung kommunikativer und gestalterischer Qualität von Geschäftsberichten erfordert wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit den Publikationen und ihrer visuellen Wahrnehmung. Was erwarten Analysten von Geschäftsberichten? Wie und was lesen sie? Und inwieweit leitet sie dabei die Gestaltung? Dazu kurz: Die Gestaltung leitet immer – gut oder schlecht. Nach einer Studie des CCI, die Professorin Gisela Grosse vorstellte, konnte sie den Beweis auf eindrucksvollste Weise vorführen: 

»Nach Methoden der sozialempirischen Forschung haben wir Analystengruppen unabhängig voneinander zwei unterschiedlich gestaltete Geschäftsberichte mit identischem Inhalt vorgelegt – den schlecht gestalteten Originalbericht und einen gut gestalteten Vergleichsbericht«. Das Ergebnis zeige deutlich, wie sehr die Leser nach einem grafisch ordentlichen Layout und einer klaren Bildsprache suchen, wie zufrieden sie sind, wenn ihnen durch visuelle Mittel die Orientierung in der inhaltsschweren Publikation erleichtert wird. Dies gelte selbstverständlich auch für diejenigen Analysten, die sich vorgeblich nur für facts & figures interessieren. Und so sehen die Ergebnisse aus: 

»Shareholder wollen wesentliche Informationen schnell finden«. »Shareholder wollen finden, was sie interessiert«. »Shareholder wollen ein strukturiertes Layout und eine an-gemessene Leseführung«. »Shareholder wollen mehr über das Management wissen«. »Shareholder wollen angemessene, gut gestaltete Tabellen und Diagramme«. »Shareholder wollen Bilder und Farben, die das Unternehmen repräsentieren«. Das wichtigste Ergebnis: »Eine gute Gestaltung führt im Auge der Shareholder zu einer besseren Bewertung des Geschäftsberichts – und des Unternehmens«. 

Eine andere Studie aus Grosses Wissenschaftslabor beschäftigt sich mit den Potenzialen der Illustration im Ge-schäftsbericht: ›Malen nach Zahlen‹ heißt die Publikation. Das Ergebnis: »Die Potenziale der Illustration werden nicht ausgeschöpft. Geschichten zu erzählen und den Unternehmen zu mehr Aufmerksamkeit und Eigenständigkeit zu verhelfen, um damit einen höheren Wiedererkennungswert zu schaffen, ist ein Potenzial der Illustration, welches im Bereich der Finanzkommunikation bisher nicht ausreichend erkannt wird«. Da kann man doch was draus machen! 

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BEWEGTBILDER VERSTEHEN: METHODIK, ANALYSE, FAKTEN
(Lars Grabbe)

Die Bildsprache, ob Zeichnung oder Fotografie – was erreicht sie in einem Geschäftsbericht? Beispiel Fotografie: Immer noch sehen wir statisch langweilige (viele) Herren und (wenige) Damen in enger oder neuerdings zerstreuter Gruppe (offensichtlich vom Fotografen ›locker machen‹ angesagt) auf den vorderen Seiten des Geschäftsberichts. Mit dem Einzug des Bewegten Bildes in den Geschäftsbericht könnte man sich aber diese Szene vorstellen: Der Vorstand, Aufsichtsrat öffnet die Tür seines Büros, lächelt, lässt eintreten, bietet Platz an und er-zählt in vertraulicher Umgebung mit gewinnendem Ambiente von seinem Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr – keine schlechte Vision. 

Dr. Lars Grabbe, Medientheoretiker mit Schwerpunkt Wahrnehmungs- und Kommunikationstheorie sowie Bildwissenschaft, Semiotik und Filmwissenschaft, Vertretungs-Professor an der FH Münster, führte in die Tiefen der unbewussten Wahrnehmung.  Was dem interessierten Laien aufging: Als die Bilder laufen lernten, wussten sie noch nicht, dass sie mal Marathonläufer für unsere Bedürfnisse werden würden. Was uns die Filme der Anfangsjahre lehrten, expressiv-dramatische Szenen, die sich für immer wie Stempel in unsere Erinnerung drückten – das war Kunst. Und natürlich Kunst der Manipulation. Und heute ist es die Kunst und Magie des im Alltag beheimateten bewegten Bildes, die uns fasziniert und weich macht. Woher das kommt und wohin es möglicherweise führt, das zeigte uns Lars Grabbe: »Bewegtbilder sind künstliche Artefakte, deren angebotene Stimulation dem Denken aktiv vermittelt wird«. Und weiter: »Holonik beinhaltet die gesamte Herstellung von Design über Produktion und Marketing und erzeugt damit ein bewegliches Herstellungssystem«. Wir wären also mittendrin in der Zukunft, die wir noch gar nicht begriffen haben, die aber wohl von Wissenschaftlern wie Professor Grabbe formuliert und erforscht wird. Das Bewegtbild ist eine Wissenschaft, deren Analyse uns noch manchmal die Augen öffnen wird.

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 DIE TECHNIK HAT SICH VERÄNDERT – WIR AUCH? 

(Tobias Albrecht)

Spätestens jetzt ging uns die Regie dieser Tagung auf: Die Hauptveränderungen spielen sich in der Gestaltung ab, sie könnte bei geschickter Anwendung eine erfolgreiche Ressource sein. Auch Tobias Albrecht, seit 1994 im Bereich Marketing Services / Tec tätig, führte die Teilnehmer in die Welt, die wir künftig mit Big Data teilen müssen.
Er stellte die ›Künstliche Intelligenz‹ (Goliath) der einzigen menschlichen Wahrnehmungsmöglichkeit unserer fünf Sinne SEHEN, HÖREN, TASTEN, RIECHEN, SCHMECKEN (David) gegenüber. Da denkt man auch gleich an Sisyphus und seinen quälenden Job, mit diesem Berg (Big Data) fertig zu werden. Zwischen 1990 und 2000 schnellte die Kurve ›Information Available‹ bis in schwindelnde Höhe, während die menschliche Aufmerksamkeits-Fähigkeit im unteren Bereich hängen bleibt. Ergebnis: Der Mensch ist nicht digital. Aber er hat dieses Big Data geschaffen, das Gold von morgen. Abfallprodukte aus Überwachungssystemen, Bankgeschäften, Bezahlkarten, elektronischer Kommunikation, Gesundheitsbändern, globalen Navigationssystemen usw. Wir sind alle unbewusste Zulieferer, für eine Welt, die uns manipuliert. Da denkt man doch an Goethes Faust und seinen Zauberlehrling: »Herr, die Not ist groß! Die ich rief, die Geister, werd’ ich nun nicht los!«

Sein umfangreiches Wissen stellt Albrecht unter anderem in den Dienst der Analyse und Bewertung von Geschäftsberichten. Albrecht erarbeitete in einem QLAB-Experiment die kognitive Berechnung von zwei DAX 30-Berichten, die psychologischen Profile, Vorworte und so weiter. Ziel waren qualitative Unterscheidungen – mit entsprechenden Resultaten und möglichen Folgerungen. Könnte so manchem Geschäftsbericht guttun …

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FAZIT

In einer abschließenden Diskussion waren sich Referenten und Zuhörer einig, eine Menge dazugelernt zu haben. Von der handwerklichen Arbeit am Geschäftsbericht, seinem inhaltlichen Wandel und seinen gestalterischen Notwendigkeiten bis zu den Visionen für eine Zukunft, die allerdings bereits Gegenwart ist. In den Pausen wurde viel diskutiert und die Meinungen gingen in eine Richtung: Die Tagung sei infor-mativ, streitbar, nachdenklich stimmend, notwendig als Austausch und anregend für die Arbeit. Und Professor Klaus Klemp, Design- und Kunsthistoriker und Kurator Design des Museums Angewandte Kunst Frankfurt am Main, hatte kompetent den roten Faden durch die Arbeitssitzung geführt. Er sprach aus, was allgemein empfunden wurde: Professorin Gisela Grosse ist der Spiritus Rector dieser Veranstaltung, die den ›trockenen‹ Geschäftsbericht zu einem Qualitätsprodukt im Wandel der Entwicklungen beeinflusst. 

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» Ein besserer Tag für den Geschäfts-bericht – besser als jeder Wettbewerb «

 

von Lisette Nichtweiss

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eloy Barrantes, Nexxar, im Gespräch mit Roswita Kindler, Kirchhoff Consult.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Prof. Gisela Grosse eröffnet die Tagung mit dem Vortrag
›Die Visuelle Bilanz‹ 2016.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Interesse an den geprüften Geschäftsberichten ist groß.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Moderator Prof. Dr. Klaus Klemp 

und Prof. Gisela Grosse. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Prof. Dr. Tatjana Oberdörster spricht über gesetzliche Anforderungen.

 

 

 

 

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Max Kuhna, BERICHTSMANUFAKTUR, im Gespräch.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jörg Schäfer, Bayer AG im Gespräch.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Prof. Dr. Lars Grabbe über die unbewusste Wahrnehmung  von Bildern.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Susanne Stacklies, DPDHL, im Gespräch mit Benjamin Klöck, hw.design.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tobias Albrecht, Albrecht-Q GmbH, darüber, wie sich die Technik verändert hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Diskussionsrunde (von Links): Tobias Albrecht, Gisela Grosse, Lars Grabbe,  Klaus Klemp und Tatjana Oberdörster.

 

 

 

›DIE VISUELLE BILANZ‹ 2014

Im Wettbewerb ›Die besten Geschäftsberichte‹ haben sich 2014 grundlegende Veränderungen ergeben. Das Prüfteam des CCI hat das Jahr der Transformation für eine Weiterentwicklung der Gestaltungsbewertung genutzt und erstmals auch die kommunikative und gestalterische Qualität digitaler Geschäftsberichte im Internet bewertet. »Damit haben wir die Konsequenz aus unserer Überzeugung gezogen, den Geschäftsbericht in seiner medialen Inszenierung ganzheitlich zu betrachten« – so stand es in der Einladung, die in ihrer ›Haute Couture‹ – Gestaltung als ein Schmuckstück graphischer Raffinesse wegweisend sein dürfte – geschaffen von den CCI-Studierenden an der Fachhochschule Münster, gesponsert von Papier Union GmbH und Eberl Print, die zuverlässigen, zurückhaltenden Partner der Tagung. Sie fand, was symbolisch oder auch nicht symbolisch verstanden werden kann, auf einem futuristischen Tagungsboot eines stillgelegten Kanals in Hamburg statt. 

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Die Tagung war ausgebucht. Die Vertreter der Geschäftsberichts-Macher und ihrer Agenturen wissen inzwischen, dass dieses Seminar eine Art Denkausflug in die Zukunft ist, aber auch eine Bilanzierung ihrer Arbeit. Eine solide Veranstaltung mit Erdung und gleichzeitig Höhenflüge in die Zukunft erlaubend – einer digitalen Zukunft, die gestern begonnen hat und in unser neues mediales Zeitalter greift. 

Professor Klaus Klemp als Moderator brachte Idealbedingungen für diese Arbeit mit: Design- und Kunsthistoriker, stellvertretender Direktor und Kurator Design des Museums Angewandte Kunst Frankfurt a. M. und Professor an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach, Vorstandsmitglied der ›Dieter und Ingeborg Rams Stiftung‹ seit 2010. Bis zur Abschlussdiskussion navigierte er souverän durch komplexe Themen und am Abend, als sich schon die Dämmerung aufs Wasser legte, waren viele Teilnehmer aufgewühlt: Es gibt viel Neues zu bedenken, aber auch altes festzuhalten. Professor Dr. Tatjana Oberdörster hatte es in ihrer heiterklaren Art zusammengefasst: »Ein Geschäftsbericht ist ein Geschäftsbericht ist ein Geschäftsbericht«. In Anlehnung der berühmten Worte von Gertrude Stein »eine rose ist eine rose ist eine rose« sollte es auch mal ausgesprochen werden: Man kann aus einer Rose kein Sparschwein machen und aus einem Geschäftsbericht keine Rose. Denn in diesem Spannungsfeld lag der Kern der Sache: Wo das CCI zum ersten Mal das visuelle Erscheinungsbild der Internet-Präsentation der Geschäftsberichte in bewertbaren Augenschein nahm, da wurden digitale Möglichkeiten und deren Höhenflüge veranschaulicht. 

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Zurück zum soliden Handwerk: Die besten Geschäftsberichte 2014 in der Gestaltung waren handverlesen, ihre Güte und Qualität vom Prüfteam CCI genauestens analysiert und begründet. An beredten Beispielen verdeutlichte Professor Gisela Grosse, Leiterin des CCI und seit 1994 Professorin für Corporate Identity, Unternehmens- und Finanzkommunikation an der Hochschule Münster sowie Gründerin und Leiterin des CCI, wie ein Geschäftsbericht print  oder online zu einem Meisterstück wird und warum viele es leider nicht werden. 

Die Guten, das stellte sie fest, sind noch besser geworden. In den oberen 10 Rängen drängeln sich die ausgezeichneten Printberichte. Es gab mehrfach Doppelauszeichnungen, weil sich alle in der Leistungsskala höchstens um 6 Prozentpunkte unterscheiden. Daraus kann ja auch gefolgert werden, dass die jährliche Kür zum Besten Geschäftsbericht im Laufe der Zeit Ansporn und Qualitätssteigerung mit sich gebracht hat. Der Trend zu hellen, weiß dominierenden Covers sei da, Extras, Veredelungen in Papier, Schnittfarben, Einleger, Seitenüberleitungen und Gestaltungsaufreger sind auffallend. Aber – so Grosse – das Produkt selbst muss durch Klarheit überzeugen, eine Geschichte muss sich wie ein roter Faden durch die Publikation ziehen, eine Strategie durchsichtig dargestellt werden, die Persönlichkeit des Unternehmens erkennbar sein, die Bildsprache lebendig, individuell sein, die Repräsentation gesellschaftlich eingebettet, Prognose, Forschung, Nachhaltigkeit schlüssig formuliert, also dem IFRS (dem Internationalen Rechnungslegungsstandard) gerecht werden. Wer (unter anderem) diese Kriterien Jahr für Jahr offensichtlich und durchschaubar formuliert, hat gute Karten für das Siegertreppchen. 

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Aber die Mehrzahl – so Professor Grosse – der eingereichten Geschäftsberichte stehen da noch im Schatten herkömmlich standardisierter Erzeugnisse. Auch dafür zeigte sie Beispiele: zugepackte Textseiten – wir nannten es früher Bleiwüsten –, die den Leser ermüden, sein Desinteresse erzeugen, wodurch interessante Inhalte oft leiden müssen, weil sie nicht wahrgenommen werden. Der mit Gewalt gebaute Blocksatz mit Lücken (»ganze Flüsse ziehen sich durch den Text, Löcher wie Inseln«), statischstumme Fotografien, schlechte Kopien, abgekupferte Ideen (»Auch kopieren ist eine Kunst, die man beherrschen muss«), wenig visuelle Signale, die über das Auge Interesse wecken könnten, also zu wenig Aufmerksamkeitssignale. Und dann das heikle Thema der Tabellen und Statistiken: Sie können den Leser in ihren Bann ziehen, weil sie klar und nachvollziehbar sind, sie können aber auch abschrecken, weil sie unverständlich und grafisch nachlässig erscheinen. 

Ein Geschäftsbericht ist keine Prosa, so Grosse, er will nicht von vorne nach hinten gelesen werden – er sollte wie ein Raum verstanden werden, in dem man sich frei bewegen kann: »Das Druckwerk muss sich von allen Seiten erschließen lassen, es braucht eine Verweis-Struktur, um sich gut zu erklären.« 

 

Der Online-Geschäftsbericht – Bruder von Print oder mehr?

Seit Jahren wird auf den Veranstaltungen, Seminaren und Tagungen des CCI mit wachsender Intensität über die Frage diskutiert, ob und wie der Geschäftsbericht online präsentiert werden soll, welche Funktion er haben kann oder muss, in welchem Zusammenhang er gesehen werden will. Inzwischen hat die Entwicklung – voran das CCI mit seiner neuen Wertung der Online-Berichte – für die Zukunft gesprochen: Ja, die Geschäftsberichte müssen auch online sein, wie heute übrigens schon so gut wie selbstverständlich. (Vor einigen Jahren war man da aber noch sehr zurückhaltend). ThyssenKrupp, so hörte man, verzichte inzwischen ganz auf den gedruckten Geschäftsbericht. Einspruch eines Teilnehmers: 1200 Stück werden für die Hauptversammlung gedruckt, das ist aber die Ausnahme. 

Immerhin treibt die Frage um – wie sieht denn die erfolgreiche Präsentation eines Online-Berichts aus? Was gehört rein, was nicht, steht er in Verbindung mit der Print-Version, was veröffentlicht man in PDF – was in HTML oder beides?

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Der vom CCI erarbeitete Kriterienkatalog umfasst neben der medialen Angemessenheit auch Aspekte der Gestaltungswirkung sowie des gestalterischen Handwerks. Die Einzigartigkeit der Prüfung durch das CCI liegt in der parallelen Bewertung von funktionaler und emotionaler Gestaltungsqualität, zum Beispiel der intuitiven Menüführung oder der Vermittlung der Unternehmensidentität über die mediale Sprache. Bewertungskriterien sind zum Beispiel: Distribution und Einbettung, Navigation und Vernetzung, Multimedialität, Interaktivität, Zeitbezug. Um diese, ja neue, Aufgabe wissenschaftlich zu unterlegen, gibt es im CCI ein Forschungslabor über das Professor Grosse auch berichtete. Es hat Umfragen gegeben und weitere sind in Arbeit, die an ausgewählte Unternehmen und Analysten gerichtet sind. Es geht um ihren Umgang und ihre Erfahrungen mit den Geschäftsberichten. Sie werden vom Labor analysiert und dokumentiert, auch filmisch. Wie reagieren Analysten auf schlecht gestaltete Geschäftsberichte und wie auf gut gestaltete? Die Beziehung zwischen Print und Online – wie wirkt sie sich auf, zum Beispiel die Print-Auflage aus? Sind die Zugriffe auf Online stärker geworden und wie reagiert man auf die Resonanz? Wie werten die Chef-Etagen, die Abteilungsleitungen das Wechselspiel? Aber auch Fragen nach dem Kernstück des Geschäftsberichts, dem Brief des Vorstandsvorsitzenden oder dem Vorwort: Halten die Inhalte, was der Geschäftsbericht verspricht? Werden die existenziellen Fragen von Zukunft und Sicherheit, Planbarkeit und Machbarkeit angesprochen? 

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Das Geschäft prägt den Bericht – das Internet verlangt mehr.

Über aktuelle Entwicklungen im Reporting sprach Prof. Dr. Tatjana Oberdörster, Wirtschaftswissenschaftlerin, Professorin für Rechnungswesen an der Westfälischen Hochschule seit 2014. Nach ihrer Tätigkeit in einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft übernahm sie 2005 als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsteam von Professor Baetge unter anderem die Organisationsleitung des Wettbewerbs ›Der beste Geschäftsbericht‹. Sie ging auf die Bedeutung und Wertigkeit des Lageberichts ein und hinterfragte, ob den immer wichtiger werdenden Einbindungen nach den Informationsbedürfnissen der Stakeholder Rechnung getragen würde, ob auch die Berichte über Prognose, Forschung, Umwelt und Nachhaltigkeit deutlich heraus gearbeitet würden. In ihrer klaren Diktion wusste sie einiges über die Transformation vom ›integrierten Geschäftsbericht‹ zum ›Integrated Reporting‹ heraus zu arbeiten. Wie zum Beispiel die Würdigung der ›Kapitalien‹ für den Zukunftswert der Unternehmen. Aus ›integrated thinking‹ wird ›integrated reporting‹, das sich im Lagebericht / Geschäftsbericht niederschlagen sollte. In Deutschland sei man – international gesehen –schon ziemlich gut aufgestellt mit diesen erweiterten Berichtsstandards. Sie packte also (theoretisch) allerhand Innovatives in die Geschäftsberichte, die damit ihre statischen Pflichten erweitern und etwas Zukunftsinnovatives ergänzen sollten. Und schließlich: Die Nachhaltigkeit sei bereits seit Jahren ein festgeschriebener Auftrag der UN. Unterm Strich durfte man ihren Vortrag als ein Plädoyer für den zukunftsgezielten Geschäftsbericht sehen, der sich stetig öffnen und neue Optionen aufzunehmen bereit sein sollte. Die Antwort auf ihre anfangs polemisch gestellte Frage, ob der Geschäftsbericht historisch am Ende sei: »Totgeglaubte leben länger –es lebe der Geschäftsbericht«.

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Eine weitere Referentin, die als Outsiderin ganz und gar unbefangen ihre Zweifel an der konservativ dargestellten Online-Version vieler Geschäftsberichte in die Diskussion bringen konnte: Vera Lisakowski, Projektleiterin des Grimme Online Award fischt professionell im weltweiten Netz nach originalen Publikationen, Videos, die unterhaltsam und nützlich für alle User sind und deshalb für einen ›Grimme Online Award‹ preiswürdig sein könnten. Mehr als tausend Bewerbungs-Einsendungen pro Jahr – da kennt sie sich aus. Ihre Beispiele führten in die flüchtige Welt der Selbstdarstellung im Netz, offenbar eine sehr beliebte und nachgefragte Art der Neuen Kommunikation. Warum sollten Unternehmen diese Spielwiesen nicht nutzen? Beispielsweise ihre Forscher mit Links und Verweisen neueMethoden erklären lassen? Oder Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von ihrem Arbeitsplatz berichten lassen? Oder ihre Internationalität ganz praktisch mit Interviews und Dokumentationen unterfüttern? Podcast und Videos, Websites als Magazin, Social Media in die Kanäle – why not? Auf jeden Fall »nix Glattgebügeltes« – wie sie es in manchen Geschäftsberichten sehe. Und langweilig finde.

Ja, so viele Anregungen kann ein einziger Tag bringen! Und immer ging’s eigentlich um das Eine: Wie sieht die Gestaltung des Geschäftsberichts von morgen aus? Der Geschäftsbericht ist ja längst kein Business-Zahlenwerk in feinem Tuch mit Krawatte, eher sportlich in Jeans und Sneakers verändert er fließend und stetig sein Profil, bestenfalls passt er sich geschmeidig einer medial-bestimmten und medial gestimmten Zukunft an, für die die Kriterien der Gestaltung an Gewicht gewinnen: Denn das Auge ist es, das die erste Aufmerksamkeit holt und entsprechend weitergibt. Ohne Bilder wäre unsere Kommunikation blind.

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In der abschließenden Diskussion ging es eben darum und die vielen Ausdrucks-Möglichkeiten – Tradition, Evolution, Revolution – wohin geht’s? Tatjana Oberdörster machte es kurz und bündig: »Ein Geschäftsbericht ist ein Geschäftsbericht ist ein Geschäftsbericht und irgendwann ist es auch mal gut«.

Geben wir der Gastgeberin das letzte Wort: »VisuelleQualität auf einem hohen Niveau ist eine Herausforderung für uns, ein spannender Prozess, den wir führen und zum Erfolg bringen.« Ihr besonderer Dank galt den Sponsoren dieser von vielen Diskussionen in gut bewirteten Pausen begleiteten Veranstaltung und ihrem jungen Team, das mit ideeller Hingabe Vorbereitung und Durchführung gestaltet hatte. 

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von Lisette Nichtweiss

›DIE VISUELLE BILANZ‹ 2013

Das CCI zieht Bilanz über den vergangenen manager magazin-Wettbewerb um den »Besten Geschäftsbericht 2013«, gibt einen Ausblick und ehrt die Gildemeister AG als Gestaltungssieger.

Am 24. Oktober 2013 jährte sich die Veranstaltung ›Die Visuelle Bilanz‹ zum zehnten Mal. Zum Thema »Philosophie – Marke – Unternehmen« lud das Veranstaltungstrio aus CCI, Eberl Print und Papier Union rund 100 Teilnehmer aus der Unternehmens- und Agenturpraxis nach Hamburg ein, um die Gestaltung von Geschäftsberichten näher zu betrachten. Neben einem Rückblick auf den manager magazin-Wettbewerb »Der beste Geschäftsbericht 2013« und die Würdigung der Gestaltungssieger stand dabei vor allem die zukünftige Entwicklung des Geschäftsberichts – als ganzheitliche mediale Inszenierung – im Mittelpunkt der Veranstaltung.

Prof. Gisela Grosse zog ihre visuelle Bilanz über die Stärken und Schwächen der 62 diesjährigen Berichte in der Gestaltungswertung. Was war gut? Was war schlecht? Und worauf kommt es genau an? Das MDAX-Unternehmen DMG Mori Seiki – noch unter dem bisherigen Unternehmensnamen ›Gildemeister‹ – konnte den diesjährigen Wettbewerb in der Gestaltungswertung für sich entscheiden. Neben der betreuenden Agentur Montfort Werbung konnte sich auch hw.design über einen Gestaltungssieg ihres Kunden Allianz im DAX 30 freuen. Die Agentur W.A.F. Werbegesellschaft erreichte einen Sieg ihres Kundens Bechtle im TecDAX. Für den Gestaltungssieg des Unternehmens H&R im SDAX nahm die Agentur Kirchhoff Consult eine Urkunde entgegen.

Der Nachmittag der Veranstaltung stand im Zeichen der Intermedialität des ›Systems Geschäftsbericht‹, das – so Prof. Gisela Grosse – weit über das reine Printprodukt hinaus geht und daher alle Medien betrifft. Eingeladen waren zwei hochkarätige Referenten aus Wissenschaft und Praxis, um jeweils ihre Perspektive auf die Möglichkeiten des ›Geschichtenerzählens‹ aufzuzeigen. Prof. Dr. Gundolf S. Freyermuth, Lehrender an der Internationalen Filmschule in Köln, präsentierte neun Thesen zur Notwendigkeit des transmedialen Storytelling in der Unternehmenskommunikation. Bettina Renner, Regisseurin für Dokumentar- und Imagefilme, erläuterte anhand von mitgebrachten filmischen Beispielen ihre Herangehensweise aus der Praxis. Den Abschluss der Veranstaltung bildete eine Podiumsdiskussion zum Zusammenspiel von Unternehmensphilosophie, Marke und Geschäftsbericht.

Unternehmen – so ein Fazit der Diskussion – müssen als Sender von Kommunikation lernen, auch zuzuhören. Für eine gelungene Kommunikation ist es von zentraler Bedeutung, eine Beziehung zum Publikum aufzubauen – nur so können lineare und non-lineare Kommunikationsformen gemeinsam zu einer konsistenten Unternehmensgeschichte beitragen.

»Um transmedial eine gute Geschichte zu erzählen, kommt es nicht darauf an, ein und dieselbe Botschaft auf eine Vielzahl von Kanälen auszuweiten, sondern die verschiedenen Zugänge der Nutzer zu berücksichtigen«.

Gisela Grosse

›DIE VISUELLE BILANZ‹ 2012

Die ›VISUELLE BILANZ‹ hat inzwischen Tradition. Bereits zum neunten Mal fand die Expertenrunde für die Gestaltung von Geschäftsberichten statt – initiiert vom Corporate Communication Institute (CCI) am Fachbereich Design der Fachhochschule Münster. Dessen Leiterin, Prof. Gisela Grosse, präsentierte die gestalterische Bandbreite und vor allem die Besonderheiten der diesjährigen Geschäftsberichte.

Einen besonderen Schwerpunkt legte sie dabei auf das sich »herauskristallisierende System Geschäftsbericht: Geschäftsberichte entwickeln sich deutlich zu einem immer umfassenderen Medium der Unternehmenskommunikation mit großer Reichweite«, erklärt Grosse. Für dieses System würden jährlich Botschaften auf Basis der Unternehmensstrategie abgestimmt und in der gesamten internen und externen Unternehmenskommunikation dargestellt, so die Hochschullehrerin für Corporate Identity, Design und Communication am Fachbereich Design.

Der beste Geschäftsbericht kommt in diesem Jahr von der Siemens AG. »Sie beschreibt darin die Geschichte des Unternehmens anschaulich und nachvollziehbar und visualisiere sie authentisch«, heißt es in Grosses Laudatio. Dr. Johannes von Karczewski, Head of Corporate Reports bei der Siemens AG, erzählte in seinem Vortrag, dass sich der Siemens-Geschäftsbericht vom Printprodukt weiterentwickelt habe zu einem umfassenden Instrument, das Ideen aus Online-Medien, iPad-Anwendungen, Anzeigen und räumlicher Inszenierung adaptiere.

Prof. Norbert Nowotsch vom CCI stellte die Bedeutung und die Schwierigkeiten des Bewegtbilds vor. Anschließend diskutierten die 40 Teilnehmer Chancen und Risiken von Bewegtbild und Online-Medien im Zusammenhang mit dem Geschäftsbericht als Leitmedium der Unternehmenskommunikation.

26. Oktober 2012
Zwei-Löwen-Klub, Münster

›DIE VISUELLE BILANZ‹ 2011

Wie wird die Zukunft von Print- und Onlinemedien aussehen? Zu diesem hochaktuellen Thema referierten Stefan Buhr, Leiter der Verlagskoordination im Spiegel Verlag, Prof. Dr. Frieder Nake, Computerkünstler und Mathematiker und Claudio Strepparola, Leiter USA und Brasilien der Feinstpapiere ›Gruppe Cordenons‹. Agenturen, Hersteller und Geschäftsberichte publizierende Unternehmen informierten sich über Herausforderungen, Chancen und Risiken von Print, Online und Social Media. Der Vortrag von Prof. Gisela Grosse ›Die Visuelle Bilanz‹ griff das Thema unter dem Motto ›Bewegende Informationen‹ auf.
Veranstalterin der Visuellen Bilanz waren das Corporate Communication Institute der Fachhochschule Münster und die Papier Union GmbH.

Wie in jedem Jahr stellte Prof. Grosse die Gestaltungsergebnisse aus dem aktuellen manager magazin-Wettbewerb ›Der beste Geschäftsbericht‹ in der ›Visuellen Bilanz‹ vor. Die besten Geschäftsberichte im Prüfsegment Gestaltung wurden durch das CCI gewürdigt.

Ein weiterer Höhepunkt der Veranstaltung war die Podiumsdiskussion, die von Prof. Grosse moderiert wurde: Stefan Buhr (Spielgel Verlag), Valentin Heisters (Heisters & Partner), Prof. Frieder Nake, Sabrina van der Pütten (BASF SE, Online-Geschäftsbericht) diskutierten kontrovers und leidenschaftlich zum Thema ›Bewegende Informationen‹.

Während der Pausen und beim abschließenden Get-together hatten die Teilnehmer genügend Zeit, Kontakte zu pflegen, zu knüpfen und Erfahrungen auszutauschen.

Fazit eines Teilnehmers: Die Veranstaltung zur Bilanz des diesjährigen Wettbewerbs »Die besten Geschäftsberichte« bot für mich sowohl eine Fülle von Anregungen in Bezug auf meine konkrete Tätigkeit, als auch interessante Transferansätze zwischen Wissenschaft und Praxis. Gerade die Einbeziehung der Naturwissenschaften in die Design- und Kommunikationswelt war bereichernd.

20. Oktober 2011
Deutsche Nationalbibliothek, Frankfurt am Main

›DIE VISUELLE BILANZ‹ 2010

Am 14. Oktober 2010 fand in Frankfurt die ›Visuelle Bilanz‹ mit dem Thema ›Design Disziplin‹ statt. Dabei wurden die besten Geschäftsberichte im Prüfsegment Gestaltung im diesjährigen Wettbewerb des Manager Magazins ›Die besten Geschäftsberichte‹ gewürdigt. In ihrem Vortrag stellte Prof. Gisela Grosse die dos and dont's in der Gestaltung von Geschäftsberichten vor.

Arndt Klippgen, CEO der PapierUnion gewährte Einblicke in den globalisierten Papiermarkt und dessen Stellenwert bei der Herstellung von Geschäftsberichten.

Den krönenden Abschluss der Veranstaltung bildete die Podiumsdiskussion. Unter der Moderation von Prof. Dr. Klaus Klemp diskutierten Wolfgang Beinert (Atelier Beinert, Berlin), Annette Häfelinger (häfelinger+wagner, München), Otmar Hoefer (Linotype, Frankfurt) und Jochen Rädeker (Sprecher des ADC, Strichpunkt, Stuttgart) darüber, wie Sprache mittels Schrift simuliert werden kann.

›DIE VISUELLE BILANZ‹ 2009

Am 15. Oktober 2009 stellte Prof. Grosse ›Do’s and Dont’s‹ aus dem Wettbewerb 2009 ›Die besten Geschäftsberichte‹ des Manager Magazins vor. In einem gesonderten Vortrag stellte sie die Entwicklung des Umgangs mit Farbe in Geschäftsberichten in den letzten fünf Jahren dar. Barbara Scholten, Head of Corporate Branding and Publishing der ThyssenKrupp AG referierte zum Thema ›Gestaltung und Nachhaltigkeit‹. Nach einem köstlichen Imbiss würdigte das CCI den am besten gestalteten Geschäftsbericht 2009. Eine besondere Würdigung wurde häfelinger + wagner design als beste Geschäftsberichtsagentur der letzten fünf Jahre zuteil.

 

/ HFG Archiv

HEIDELBERGER FORUM GESCHÄFTSBERICHTE

HEIDELBERGER FORUM GESCHÄFTSBERICHTE 2017

HEIDELBERGER FORUM GESCHÄFTSBERICHTE 2015

HEIDELBERGER FORUM GESCHÄFTSBERICHTE 2013

HEIDELBERGER FORUM GESCHÄFTSBERICHTE 2011

HEIDELBERGER FORUM GESCHÄFTSBERICHTE 2009

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Wie definieren Sie ›nachhaltige Berichterstattung‹?

11. Heidelberger Forum Geschäftsberichte 2017

Die gesetzlich geforderte Ausweitung der nichtfinanziellen Berichterstattung bringt Unternehmen ins Schwitzen. Die Umsetzung der neuen CSR-Richtlinie stellt jedoch nicht nur die Macher, sondern auch die Prüfer von Geschäftsberichten vor neue Herausforderungen. Ein simples ›How to‹ gibt es nicht. Vielmehr muss jedes Unternehmen seinen ganz eigenen Weg finden, sich gegenüber vielfältigen Erwartungen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu präsentieren.  

Am 14. und 15. September 2017 war es wieder so weit: Das CCI lud zum Heidelberger Forum Geschäftsberichte in die Print Media Academy in Heidelberg ein. Als die zentrale Institution für ›Best Practice Sharing‹ in Sachen Geschäftsbericht bietet das Forum den teilnehmenden Unternehmen neben fachlichen Vorträgen auch die Möglich­keit des Austausches mit anderen Geschäftsberichts-Verantwortlichen. Das aktuelle Thema in diesem Jahr: ›Nachhaltige Berichterstattung‹. Schon seit Längerem auf der Tagesordnung, bekommt das Thema Nachhaltige Bericht­erstattung durch die neue CSR-Richtlinie des Bundestages aktuell besondere Relevanz. Und bringt die, die die neuen gesetzlichen Vorgaben in diesem Jahr erstmals umsetzen müssen, ganz schön ins Schwitzen. 
                  So standen neben der Theorie auch ganz praktische Fragen der Umsetzung im Vordergrund der Veranstaltung: Wie berichten wir – separat oder integriert? Was bedeutet das für die Wirtschaftsprüfung? Und wie vermitteln wir unsere Idee der nachhaltigen Berichterstattung glaubwürdig und transparent? Zwei Tage mit hochrangigen Vorträgen aus unterschiedlichsten Perspektiven und Zeit für ergiebige Gespräche mit Kollegen haben den Teilnehmerinnen und Teilnehmern geholfen, Antworten für ihr Unternehmen zu finden.

 

Tag 1: Überzeugend berichten –
aber was genau und wie?

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Von Beginn an war klar, dass dieses 11. Heidelberger Forum reichlich Stoff für Diskussionen bieten würde. So ›überraschte‹ Dr. Herbert Meyer, ehemaliger Finanzvorstand und heutiges Aufsichtsratsmitglied bei Heidelberger Druckmaschinen, bei der Begrüßung der Gäste mit zwei klaren Thesen. Zum einen sprach Meyer sich für eine separate Berichterstattung aus: Die Masse der Information biete es an, diese getrennt voneinander in eigenen Berichten zu verfeinern. Zum anderen betonte Meyer die Bedeutung des gedruckten Berichtes: Als Oldtimer würden diese an Wert niemals verlieren. Ob diese Meinung von allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern geteilt würde, das sollte sich in den kommenden zwei Tagen herausstellen. 

 

Corporate Reporting

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Traditionell eröffnete die Veranstalterin, Prof. Gisela Grosse, das Forum mit ihrer ›visuellen Bilanz‹ über die Berichterstattung des Jahres. Sie zeigte, was die Saison der Geschäftsberichte 2016 der DAX-30-Unternehmen in Deutschland hergab – an Gutem wie an Schlechtem. An Kuriosem, an Interessantem und an Neuem. Erst diese Bilder machen am praktischen Beispiel begreifbar, was das CCI seit nunmehr 14 Jahren jedes Jahr auf der Basis umfassender Kriterien wissenschaftlich bewertet: die kommunikative und visuelle Qualität der Geschäftsberichte. 
                  Im dritten Jahr bezieht sich die Analyse des CCI neben dem Printbericht auch auf die Onlineberichter­stattung der Unternehmen – das Corporate Reporting wird als Ganzes betrachtet. Hier zeigt sich ein recht einfaches Ergebnis: Unternehmen, die gute Printberichte machen, sind meist auch online stark. Und vice versa. 
                  Besonders gelungen ist in diesem Jahr der Geschäftsbericht von BMW.  Der bildgewaltige, emotional und informativ überzeugend aufbereitete Bericht schaffte es als Einziger sowohl in der Print- als auch in der Online-Bewertung in die Kategorie ›herausragend‹. Dass dies nicht selbstverständlich ist, offenbart die durchschnitt­liche Gestaltungsbewertung aller DAX-30-Geschäftsberichte, die in diesem Jahr gegenüber den Vorjahren gesunken ist. Werden die Geschäftsberichte etwa ›schlechter‹? In der Tat, so beobachtet Frau Prof. Grosse, werden die Geschäftsberichte zwar farbiger und differen­zierter. Jedoch verzichten die Unternehmen zunehmend auf ein erzählendes Jahresmotto. Neben diesen Einbußen in der kommunikativen Qualität sinkt auch die visuelle Qualität: Die Unternehmen nutzen immer weniger Bilder. Und auch das Layout vieler Berichte entspricht mehr dem Schema F als den gestalterischen Regeln eines spannungsvollen Seitenaufbaus. Darunter leidet die Glaubwürdigkeit der Unternehmensdarstellung. 
                  Grosse mahnt an: »Glaubwürdigkeit entsteht aus der Kombination von Kompetenz und Vertrauenswürdigkeit. Während Kompetenz über Text dargestellt werden könne, lässt sich Vertrauenswürdigkeit nicht über Text materialisieren. Dafür braucht es das Bild.« Oder, im Online-Medium, den Film. Dahinter verbergen sich große Herausforderungen, nicht zuletzt an die CEOs. Diese müssen an Medienaffinität und -kompetenz noch ordentlich nachlegen. Noch immer sind, auch bei den Vorreitern der internetbasierten Berichterstattung, deutlich unterschiedliche Qualitäten zwischen Foto und Film beobachtbar. Dennoch gibt es, vor allem im Bereich Onlineberichterstattung, auch positive Entwicklungen zu verzeichnen. Ein Blick in die CCI-Statistik zeigt: Während die Onlineberichte schon in den Vorjahren interaktive Funktionen aufwiesen, so sind sie in diesem Jahr deutlich multimedialer, vernetzter und sogar dialogischer. Auch haben fast alle Unternehmen die Notwendigkeit erkannt, ihre Berichte mobile responsive aufzubereiten. So konnte sich die HTML-Bericht-erstattung, zumindest in ihrer überwiegenden Form der hybriden Darstellung von HTML und PDF, deutlich neben der Printberichterstattung behaupten.

 

Nichtfinanzielle Berichterstattung 2017 – (berechtigte) Abkehr vom Prinzip der Freiwilligkeit 

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Das Ergebnis der CCI-Statistik, wonach die Nachhaltigkeitsberichte der DAX-30-Unternehmen an Bedeutung gewinnen, zeigt sich auch in dem Vortrag von Prof. Tatjana Oberdörster, Wirtschaftswissen­schaftlerin und Expertin für nichtfinanzielle Berichterstattung. Ihr Thema: die neue CSR-Richtlinie und ihre Bedeutung für die berich­tenden Unternehmen. Eines ist klar: Diese Richtlinie, die im März 2017 im Bundestag verabschiedet wurde, ändert eine vermeintlich grund­legende Eigenschaft der Nachhaltigkeitsberichterstattung: ihre Freiwilligkeit. So war die Berichterstattung über nichtfinanzielle Leistungs­indikatoren zwar schon seit 2004 im HGB vorgesehen. Das Prinzip der Freiwilligkeit hatte jedoch zur Folge, dass der Bedeutungszuwachs des Themas Nachhaltigkeit für die Investoren nicht zwangsläufig mit einer Vertrauenswürdigkeit der Berichterstattung einherging. In der Praxis hat jedes Unternehmen berichtet, wie es wollte, innerhalb oder außerhalb des Lageberichts, integriert oder in separaten Berichten, quantitativ oder nur qualitativ usw. Damit, so der Gedanke der CSR-Richtlinie, soll jetzt Schluss sein. 
                  Das Ziel der CSR-Richtlinie, durch einheitliche Standards die Konsistenz der Berichterstattung zu erhöhen, stellt sich in der Umsetzung als Mammutaufgabe heraus. So sind Unternehmen neuerdings zu quantitativ messbaren und vergleichbaren Angaben gezwungen, beispielsweise über ihr Geschäftsmodell, Mitarbeiterbelange, ökologische Auswirkungen, Umgang mit Risiken oder Korruptionsbekämpfung. Diese umfangreichen Daten zum Veröffentlichungszeitpunkt des Geschäftsberichts zu liefern, stellt die Unternehmen jedoch vor ein erhebliches Zeitproblem. Und wie Frau Oberdörster es formuliert: »Eine Eins- oder Null-Antwort auf die Herausforderungen der nichtfinanziellen Berichterstattung gibt es nicht.« Gerade für Betriebswirte ist dies eine eher unliebsame Situation. Vielmehr sind die Unternehmen selbst aufgefordert, ihre relevanten nichtfinanziellen Leistungsindikatoren zu definieren und aus der Masse der heterogenen Erwartungen die für ihr Unternehmen wesentlichen Informationen für die Berichterstattung herauszufiltern. Zu filtern heißt nicht, wie Frau Oberdörster mit Verweis auf deutlich reduzierte Berichte wie diejenigen von Siemens, Allianz oder der Münchener Rück anmerkt, wesentliche Inhalte rausschmeißen oder in separate Nachhaltigkeitsberichte zu verlagern. »Das Problem des ›Disclosure Overloads‹ «, so Oberdörster, »darf kein Totschlagargument für sinnlose Kürzungen sein.« Dennoch bleibt festzuhalten, dass die gesetzlichen Verschärfungen neben den Unternehmen auch die Wirtschaftsprüfer in Atem halten. Noch ist nicht geklärt, wie die CSR-Richtlinie eigentlich geprüft wird, und dennoch sind bereits weitere Verschärfungen der Berichtspflichten in Sicht. Es bleibt also spannend!

Die thyssenkrupp Geschäftsberichte im Wandel

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»Krise als Chance« war auch das Motto des Vortrages von Frau Dragica Sikić, die seit Ende 2014 für den GeschКftsbericht von thyssenkrupp verantwortlich zeichnet. In einem spannenden Einblick in die Praxis der Berichterstellung zeigt Sikić, wie thyssenkrupp sich und seinen GeschКftsbericht in einer wirtschaftlichen Krise vollständig neu erfunden hat. 
                   Die Entwicklung der thyssenkrupp Berichterstattung ist wohl sehr gut mit einer Berg- und Talfahrt zu vergleichen. Galten die thyssenkrupp Berichte bis 2012 als beispiellos in der Aufwendigkeit der Gestaltung, so wurde das Budget des GeschКftsberichts von 2012 bis heute um insgesamt rund 80 Prozent gekürzt. Als Frau Sikić die Projektleitung für den GeschКftsbericht übernahm, bot sich ihr folgendes Bild: Weniger Ressourcen bedeutet weniger Budget und weniger Leute. Statt Vergabe an externe Agenturen erfolgt die Erstellung des GeschКftsberichts im Haus, als Word-Datei. Der Druck des GeschКftsberichtes ist aus Kostengründen eingestellt (bis auf wenige einfache Druckexemplare für die Hauptversammlung). Die Aussage an Frau Sikić damals: »Machen Sie was draus, aber rechnen Sie damit, dass es künftig eher noch weniger Budget und Ressourcen geben wird«. 
                   Einen Koloss wie thyssenkrupp zum Umdenken zu bewegen ist gar nicht so einfach, sind Аnderungen doch immer auch mit internen WiderstКnden und Аngsten bei Mitarbeitern verbunden. Was folgte, waren viele kleine Schritte: Die Kollegen nach den Wünschen ihrer Zielgruppen befragen, ein Redaktionssystem einführen, Prozesse und Inhalte optimieren, sich aufs Wesentliche und Inhalte konzentrieren sowie kürzen. Ein Ergebnis der Befragung: Der Bericht wird als ein klassischer GeschКftsbericht gebraucht, nicht unbedingt jedoch als gedruckte Version. Bis heute ist eine Minimalauflage für die Hauptversammlung ausreichend. 
                   Das Ziel der ›neuen‹ Berichterstattung von thyssenkrupp: Der neue thyssenkrupp GeschКftsbericht sollte seine Bedeutung zurückerhalten, aber ohne den damaligen Aufwand. Der ist einfach nicht mehr angemessen. Heute ist der GeschКftsbericht wieder klassisch aufgebaut, aber einfach. Er ist angemessen gestaltet und verfügt sogar über eine kleine Bildstrecke. Seit 2012 berichtet thyssenkrupp als eines von heute nur vier Unternehmen integriert. Bereits mit seinem diesjКhrigen GeschКftsbericht wird das Unternehmen die Anforderungen an die Nachhaltigkeitsberichterstattung gem. КІ CSR-Richtlinien-Umsetzungsgesetz inhaltlich erfüllen

  

Von ›online, too‹ zu ›online first‹

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Integriert und interaktiv ist auch das Reporting von SAP, wie der Geschäftsberichts-Verantwortliche Dr. Tobias Groß in seinem Vortrag vorstellte. Die Gründe dafür: SAP berichtet seit 2012 integriert, weil das Unternehmen davon überzeugt ist, dass langfristiger wirtschaft­licher Erfolg gleichermaßen von finanziellen und nichtfinanziellen Aspekten in der Strategie und der Unternehmenssteuerung abhängig ist. Und SAP berichtet vorwiegend online, da es als Software-Unternehmen eine Vorreiterrolle einnehmen möchte.  In der Umsetzung heißt ›integriert‹, dass die Hälfte der wesentlichen Key Performance Indicators (KPIs) des Unternehmens nichtfinanziell sind, neben Umsatz und Ergebnis sind das Kundentreue und Mitarbeiterzufriedenheit. Das Berichtsteam aus Accounting, Investor Relations und Nachhaltigkeit steuert gemeinsam die Berichtsprozesse. Das schafft Synergien und macht den Prozess der Berichterstellung insgesamt einfacher, sagt Tobias Groß:  »Wenn wir nur einen – integrierten – Bericht haben, muss ich mich nicht mit zweien herumschlagen«. 
                  Die Unternehmenskommunikation spielt bei der Berichterstellung dagegen nur eine untergeordnete Rolle: »Unser Geschäftsbericht hat eine klar umrissene Zielgruppe: der Regulator, klassische Investoren und SD-Investoren.« Damit gilt der Geschäftsbericht nicht als Kommunikationswerkzeug im übergeordneten Sinne. Der sog. ›Online- first-Ansatz‹, so Dr. Groß mit Verweis auf die Connectivity-Matrix von SAP, ist bei einem integrierten Bericht nur konsequent, da via HTML die Verknüpfungen von finanzieller und nichtfinanzieller Information deutlich sichtbarer werden. Zudem kann der Nutzer selbst entscheiden, welche thematische Sicht (ökonomisch, ökologisch oder sozial) bzw. welche Darstellungsform er bevorzugt. 
                 Zwar verfügt auch SAP über eine Druckfassung des Geschäftsberichts, dabei handelt es sich jedoch nur um einen Auszug aus dem Online-Angebot. Stattdessen betont Groß die internen Vorteile des Online-Reportings: So erfolgt der HTML-Transfer direkt auch in Word- bzw. Excel-Dateien und liegt im Fall der SAP komplett in Unternehmenshand. Die Berichterstattung wird damit nicht nur kostengünstiger, sie wird vor allem eines: schneller. Von ihrer Zukunftsvision eines ›Echtzeit-Reportings‹, einer HTML-Berichterstattung auf Knopfdruck, ist jedoch auch die SAP noch einige Schritte entfernt. Vielmehr überlegt auch SAP, zunächst zu einer Hybridlösung zu kommen. Nicht nur wird der Anhang des Geschäftsberichts laut der eigenen Nutzerauswertung kaum geklickt, auch könnten durch eine PDF-Umsetzung Schwierigkeiten und Zeitverlust in der Wirtschaftsprüfung vermieden werden. 
Am späten Nachmittag ging ein intensiver erster Tagungstag zu Ende. Kurz blieb den Teilnehmern Zeit, zu verschnaufen und das Gelernte zu verarbeiten –  bevor man sich am Abend zum Gala-Dinner wiedertraf. Während die Sonne unterging, ging es für die Gäste hinauf in den 12. Stock der Print Media Academy. Zu Sekt und Häppchen und einem Panorama von Heidelberg, das nach und nach erleuchtet wurde. Frau Grosse hatte das Vergnügen, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern den diesjährigen Ehrengast vorzustellen, Prof. Christian Strenger. Christian Strenger, glühender Verfechter von Corporate Governance, Gründer internationaler Kodizes und Träger des Bundesverdienstkreuzes, mahnte in seiner Dinnerspeach eindrücklich: »Integriertes Reporting erfordert integriertes Denken.«  
                 Wie Tatjana Oberdörster am Morgen merkte auch Christian Strenger an, dass die Forderungen hinter der neuen CSR-Richtlinie nach mehr unternehmerischer Verantwortung eine lange Geschichte aufwiesen und daher durchaus absehbar waren. Dass die Bedeutung der nichtfinanziellen Leistungsindikatoren in vielen Unternehmen trotzdem immer noch schmählich vernach­lässigt wird, zeigen traurige aktuelle Beispiele wie die Dieselthematik des Volkswagen-Konzerns. Analysten schätzen den Verlust des Konzerns auf über 20 Milliarden Dollar. Im Falle von VW habe auch der Aufsichtsrat versagt, so Strenger. Eine Aufsichtsratstätigkeit sei heute anspruchsvoller denn je, die Aufgabe jedoch dieselbe geblieben: die Interessen der Investoren zu vertreten.

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Tag 2: Was können Berichtemacher von Anderen lernen?

Nachdem die Vorträge des ersten Tages des Heidelberger Forums Geschäftsberichte fachlich sehr nah am Kernthema der Berichterstattung lagen, so wagte der zweite Tag mit übergeordneten Fachvorträgen den Blick über den Tellerrand hinaus. Diese Mischung ist laut Prof. Gisela Grosse klar im Konzept der Veran­staltung verankert: »Neben der zentralen Möglichkeit des Best Practice Sharing, d.h. des Austausches unterein­ander, ist das Heidelberger Forum auch als Impulsgeber gedacht, aus dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer viel für das eigene Handeln mit nach Hause nehmen«, so die Veranstalterin Prof. Gisela Grosse. Sie freute sich, gleich zwei hochkarätige Redner begrüßen zu können: Prof. Michael Stoll, Experte für Informationsgrafiken an der Hochschule Augsburg, und Uli Mayer-Johanssen, Designerin und Spezialistin für strategische Markenführung. Beide konnten die Aufmerksamkeit des Publikum für eine Stunde auf ihr Thema lenken und Kom­munikationsmöglichkeiten innerhalb, aber auch jenseits der Berichterstattung aufzeigen. 

 

Was kann Informationsgrafik?

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Prof. Michael Stoll, Hochschullehrer aus Augsburg, widmete sich in seinem Vortrag voll und ganz seiner Herzensangelegenheit: der Informationsgrafik. Was genau ist eigentlich Informationsgrafik und was kann sie leisten? Nach Stoll kommt Informations­grafik immer dann zum Einsatz, wenn es um schlecht zugängliche, unübersichtliche, abstrakte oder komplexe Sachverhalte geht. Dies ist praktisch überall der Fall – im Journalismus genauso wie in der Unternehmenskommunikation. »Infografiken können komplexe Strukturen erklären, die sonst kein Mensch mehr versteht«, sagt Stoll und verweist auf das Ziel von Informationsgrafiken, nicht nur Daten darzustellen, sondern auch Verhältnisse und Zusammenhänge zwischen den Daten zu erklären. »Bei einer guten Grafik wird die Interpretation gleich mitgeliefert«. Dies ist schon seit Jahrtausenden der Fall, wie Stoll mit einer anschaulichen Sammlung beispielhafter Informationsgrafiken zeigt – angefangen bei den Höhlenzeichnungen von Kriegern und ihrem Jagdwild. Das Ziel von Informationsgrafiken ist es, Fakten von einem abstrakten System, z. B. dem Zahlensystem, auf ein visuelles System zu übertragen und damit Inhalte schneller und unmittelbarer erschließbar zu machen. Dabei wird deutlich, dass bei Informationsgrafiken neben den Inhalten auch die Tonalität von großer Bedeutung ist. »Oft fehlt es den Informationsgrafiken an Attraktivität, das Unwiderstehliche fehlt.« Michael Stoll appelliert daran, bei der Erstellung von Infor­mationsgrafiken nicht nur die harten Fakten, sondern auch die emotionale Komponente zu berücksichtigen. Auch das Zusammenspiel der Grafiken mit dem Layout muss aus einem Guss sein. Dies gilt im Print- wie im Onlinebereich. 
                  Durch die Möglichkeiten der Animation steigt die Bedeutung der Informationsgrafik noch einmal, da sich das Auge immer nach der Bewegung ausrichtet. Wenn Unternehmen Informationsgrafik in ihrer Kommunikation verankern wollen, so ist es laut Stoll unerlässlich, sich zunächst mit dem Gesamtkonzept der Kommunikation und der Rolle der Informationsgrafik in diesem Konzept auseinanderzusetzen. Zudem erfordert die Erstellung einer Informationsgrafik dringend fachliche Expertise. Ist dies gegeben, leisten die Informationsgrafiken durch ihre gute Planbarkeit und vielschichtige Systematik mehr, als es ein Text in komplexen Zusammenhängen zu leisten vermag. »Eine gute Infografik ist wie ein Buffet, von dem man sich nimmt, was einem gefällt.«

 

Identitätsbasierte Unternehmens- und Markenführung

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Ein mitreißendes Plädoyer für die Kraft von Kommunikation und Gestaltung lieferte die versierte Kommuni­kationsberaterin Uli Mayer-Johanssen mit ihrem Impuls-vortrag über die sog. ›Marke 5.0‹. ›Marke 5.0‹ – ein Begriff, der beim ersten Hören dem Marketing entspringt und so gar nichts mit der seriösen, faktenorientierten Unternehmensberichterstattung zu tun hat. Was ist damit gemeint? Laut Uli Mayer-Johanssen leben wir in einer Welt, die sich immer schneller verändert und immer komplexer wird. Kommunikation hat in dieser über­bordenden Welt die zentrale Aufgabe, Fixpunkt zu sein und Menschen Orientierung zu bieten. Um dies zu leisten, ist es für Unternehmen notwendig, eine klare Haltung zu haben und diese immer wieder zu wieder­holen: »Wir müssen dieselbe Geschichte immer wieder neu erzählen«. Erzählen – damit meint sie nicht nur die Inhalte, sondern betont auch das Visuelle. Der visuelle Eindruck entsteht unmittelbar, schneller als jeder Text, in Bruchteilen von Sekunden. 
                  Zudem müssen die Unternehmen umdenken. Die eigene Kommunikation aus Sicht des Empfängers betrachten. Es gilt nicht, welche Botschaft ›transportiert‹ werden soll, sondern was bei den Menschen davon ankommt. Die Menschen, davon ist Uli Mayer-Johanssen überzeugt, sind die »Geiz ist geil«-Entwicklung der letzten Jahre leid. Eine Rückbesinnung auf qualitativ hochwertige Produkte, persönliche Beziehungen und nachhaltiges Wirtschaften werden die Werttreiber der Zukunft sein. »Die Veränderungsbereitschaft der Menschen hinkt dem technologischen Fortschritt hinterher.« 
Die Menschen müssen berührt, begeistert und mitgenommen werden. In der Kommunikation geht es immer auch um Sinnstiftung. Das heißt, den Menschen in den Fokus zu rücken, und nicht die Zahl (z. B. Mitarbeiter als Humankapital zu bezeichnen). Und es heißt auch, abstrakte Begriffe mit Leben zu füllen. Das gilt nicht nur, aber auch für die Unternehmensberichter­stattung: »Nachhaltigkeit als Begriff sagt alles und nichts«, mahnt Uli Mayer-Johanssen. Sie appelliert an alle Kommunikationsverantwortlichen, aus dem Silo-Denken herauszukommen und sich mit anderen, beispielsweise Kollegen aus anderen Abteilungen, auszutauschen. ›Fremde‹ Perspektiven helfen, das eigene Profil zu schärfen: »Unternehmen sind nichts anderes als Menschen, sie sind nur komplexer. Es sind viele Menschen, die zusammenarbeiten«.

  

CCI LAB:  Was bewegt sich in der Welt der Geschäftsberichte?  

Wie wird sie sich in Zukunft kommunikativ und visuell verändern? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das CCI auch, und zwar im Rahmen seines kleinen Forschungslabors, des CCI-LAB. Einen Einblick in die Themen, die das CCI-Lab bewegt, gab es im letzten Block des Heidelberger Forums. So stellte Gisela Grosse an Beispielen aktueller Geschäftsberichte vor, wie sich ›Nachhaltigkeit‹ in Geschäftsberichten über Kommunikation und Gestaltung, z. B. Informationsgrafik, materialisiert. 
                  Die Triple Bottom Line, die Idee der gleichberechtigt nebeneinanderstehenden ökonomischen, ökologischen und sozialen Leistung, kennen wir alle. So finden sich auch Darstellungen dazu zuhauf in den Geschäftsberichten. Das Problem der Triple Bottom Line ist: Es wird suggeriert, dem Unternehmen seien alle Ziele gleich wichtig. Und es wird auch suggeriert, das Unternehmen könne alle Ziele gleichzeitig erreichen. Das ist in der Praxis jedoch kaum möglich. Besser ist es da, Prioritäten widerzuspiegeln, wie dies Wesentlichkeitsmatrizen leisten. Oder gar Zusammenhänge zwischen den einzelnen Kapitalien zu visualisieren. »Die Visualisierung von Nachhaltigkeit in ihrer Vielschichtigkeit steckt noch in den Kinderschuhen. Hier sehen wir ein riesiges Potenzial«, konstatiert Gisela Grosse.  

 

Vertrauensbildung im Online-Geschäftsbericht

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Ähnlich sieht es bei der Onlineberichterstattung aus. Selbstverständlich sind alle Unternehmen mit ihrer Berichterstattung im Internet. Doch wie genau ein ›medienspezifischer‹ Onlinebericht aussieht, da gibt es bei den DAX-30-Unternehmen höchst unterschiedliche Ansichten. Wie Alena Voelzkow, wissenschaftliche Mitarbeiterin am CCI anhand von Ergebnissen ihrer Dissertation vorstellte, haben viele Unternehmen Vorbehalte gegenüber den ›veränderten‹ Spielregeln in der Online-kommunikation. Viele Vorbehalte gegenüber der Berichterstattung im Netz resultieren aus der Unwissenheit über die Nutzung. So kennen alle Unternehmen ihre Auflagenhöhe, kaum ein Unternehmen wertet jedoch Klick- und Downloadzahlen aus. 
                  »Ein medienspezifischer Online-Geschäftsbericht stellt den aktiven Nutzer mit seinen individuellen Interessen und Rezeptionsvorlieben in den Mittelpunkt«, so Voelzkow. Ein PDF hat viele Vorteile für die publizierenden Unternehmen.  Es gilt daher auch nicht zu Unrecht als das wichtigste Medium der Unternehmensberichterstattung, aktuell wie auch in Zukunft. Den Unternehmen müsse jedoch klar sein, so Alena Voelzkow, dass die alleinige Beschränkung auf ein PDF von einer onlineaffinen Nutzerschaft als Abschottung betrachtet wird. »Wer im Internet das Vertrauen der Nutzer gewinnen will«, so Voelzkow, »der muss sich von der streng durchchoreografierten Unternehmenspräsentation lösen und das Kommunikationsangebot gegenüber einem aktiven Publikum öffnen.« Eine Hybridlösung, die Kombination aus PDF und HTML, scheint hier ein gangbarer Kompromiss zu sein, der sich in der Publikationslandschaft der Unternehmensberichterstattung nach und nach durchsetzt.

 

Die Verknüpfung von Print- und Onlinebericht über Augmented Reality

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Aktiv werden muss das Publikum auch bei einem Thema, das ebenfalls gerade dabei ist, sich in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens zu etablieren: Augmented Reality. Wie Sebastian Netz, ehemaliger Mitarbeiter des CCI und heute selbstständiger Designer am Beispiel des aktuellen Porsche-Geschäftsberichtes vorstellte, bietet diese Technologie auch für die Unternehmensberichterstattung neue Kommunikationsmöglichkeiten.
So zeigte Netz, wie ein Team aus Designern, Redakteuren und Künstlern für Porsche einen Bericht mit Augmented Reality umgesetzt hat: »Durch die Nutzung von Augmented Reality können Bilder und Grafiken plötzlich zum Leben erweckt werden«, so Netz. Was es dazu braucht, ist ein Device (z. B. IPad oder Handy) und die entsprechende App. Anhand weniger prägnanter Punkte erkennt das Gerät in einem statischen Bild das Objekt. Dann geht es los: Plötzlich zischt der Wagen an einem vorbei, der Motor röhrt und die Informationsgrafik erwächst dreidimensional als Pyramide aus dem Buch hervor. Solche Pilotprojekte, das gibt Netz gerne zu, sind nicht ganz billig. Durch ihre Einfachheit in der Umsetzung und die Vielseitigkeit der Anwendungsmöglichkeiten wird sich Augmented Reality jedoch langfristig durchsetzen. 

 

›Nachhaltige Berichterstattung‹ – was bleibt? 

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Am Nachmittag des zweiten Tages geht eine spannende und vielseitige Veranstaltung zu Ende. Gisela Grosse nutzt die Abschlussdiskussion, um die Ergebnisse festzuhalten. Die Bedeutungszunahme der Nachhaltigkeit in der Berichterstattung ist nicht mehr aufzuhalten. Das Integrierte Reporting ist zwar nicht die einzige Möglichkeit, den neuen Anforderungen der CSR-Richtlinie nachzukommen, jedoch scheint diese Umsetzung für die meisten Unternehmen die konsequenteste Lösung zu sein. In der Praxis schafft die CSR-Richtlinie neue Heraus­forderungen, die die Unternehmen dazu zwingen, ihre Strukturen zu ändern. Geschäftsberichts-Verantwortliche müssen stärker als bisher mit anderen zusammenarbeiten, Perspektiven wechseln, aus der Masse der Information sinnhaft filtern. Dabei steht nicht nur der Adressat, d. h. der Leser des Geschäftsberichts, im Fokus der Macher. Eine wesentliche Zielgruppe ist das eigene Management. Dabei wird sich wohl erst langfristig zeigen, ob nachhaltige Berichterstattung die Unternehmen nicht sogar tatsächlich nachhaltiger macht. 
                  Für die Umsetzung hat das diesjährige Heidelberger Forum wieder aufgezeigt, wie Kommunikation und Gestaltung die Unternehmen wesentlich unterstützen, sich in ihrer Berichterstattung glaubwürdig darzustellen. Ein Fixpunkt in einer Welt vielfältiger Eindrücke zu sein. Das gilt nicht nur für die Bilder, sondern im besonderen Maße auch für Informationsgrafiken. Für die komplexen Zusammenhänge zwischen finanziellen und nichtfinanziellen Leistungsindikatoren bietet sich die Darstellung über Informationsgrafiken in besonderem Maße an. Dasselbe gilt für die Online-Kommunikation. Gerade wenn heterogene Interessen an die Unternehmen herangetragen werden, die nicht alle im vollen Umfang in einem Printbericht abgedeckt werden können, bietet das Internet mögliche Lösungen an. So heißt es, offen zu sein für einen stetigen Wandel an inhaltlichen und medialen Vorgaben, der sich nicht aufhalten lässt. Unternehmen können und sollten diese Entwicklungen intensiv beobachten, sich austauschen und es als Chance begreifen, ganz eigene Wege zu gehen. Das Heidelberger Forum bot in diesem Jahr wieder eine wunderbare Gelegenheit dazu. 
                  Daher blieb aus Sicht des Publikums die Bitte an das CCI, seine Analy­setätigkeit weiterzuführen und nach Möglichkeit sogar auszuweiten. PDFs zu bewerten. Nicht nur den Geschäftsbericht, sondern auch die Kommunikation als Ganzes zu betrachten. Ein hehres Ziel für ein kleines Team, aber auch das CCI stellt sich seinen Herausforderungen …

 

Ein Bericht von Alena Voelzkow, CCI

 

 

hier gelangen sie zu den VIDEOSTATEMENTS DER REFERENTEN

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 »AUFSICHTSRÄTE SOLLEN NACH FORDERUNGEN DER CSR-RICHTLINIE NUN NACHHALTIGKEITSBERICHTE PRÜFEN. OB UND WIE DAS GEHT, WIRD DIE PRAXIS ZEIGEN.«

- DR. HERBERT MEYER (HEIDELBERGER DRUCKMASCHINEN AG)

 

 

HIER GELANGEN SIE ZU DEm VIDEOSTATEMENTS von DR. Herbert Meyer 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

»ES FREUT MICH, DASS AUCH NACH DIESER LANGEN ZEIT IMMER WIEDER SO VIELE UNTERNEHMEN ZUSAMMENKOMMEN UND SO OFFEN THEMEN RUND UM DEN GESCHÄFTSBERICHT DISKUTIEREN.«

- PROF. GISELA GROSS (LEITUNG CCI)

 

 

HIER GELANGEN SIE ZU DEM VIDEOSTATEMENTS VON Prof. Gisela Grosse 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

»DIE CSR-RICHTLINIE HAT ZUM ZIEL, DASS UNTERNEHMEN IN ZUKUNFT VERGLEICHBARER UND KONSISTENTER BERICHTEN.«

- PROF. DR. TATJANA OBERDÖRSTER (WESTFÄLISCHE HOCHSCHULE)

 

 

HIER GELANGEN SIE ZU DEM VIDEOSTATEMENTS VON Prof. Dr. Tatjana Oberdörster 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

 

»DAS HAUPTMEDIUM UNSERES GESCHÄFTSBERICHTES IST DAS PDF.«

- DRAGICA SIKIC (THYSSENKRUPP AG)

 

 

HIER GELANGEN SIE ZU DEM VIDEOSTATEMENTS VON Dragica Sikic 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

»WIR BERICHTEN INTEGRIERT, UM WECHSELWIRKUNGEN ZWISCHEN FINANZIELLEN UND NICHTFINANZIELLEN ASPEKTEN ARSTELLEN ZU KÖNNEN.«

- DR. TOBIAS GROSS (SAP)

 

 

HIER GELANGEN SIE ZU DEM VIDEOSTATEMENTS VON Dr. Tobias Gross 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

 

»INFOGRAFIK IST IN GESCHÄFTSBERICHTEN NOCH NICHT IN GEWÜNSCHTER BREITE ETABLIERT.«

- PROF. MICHAEL STOLL (HOCHSCHULE AUGSBURG)

 

 

HIER GELANGEN SIE ZU DEM VIDEOSTATEMENTS VON Prof. Michael Stoll 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

»MENSCHEN MÜSSEN EINE VORSTELLUNG DAVON HABEN, WAS DAS UNTERNEHMEN MACHT, WOHIN ES MÖCHTE UND WELCHE PERSPEKTIVEN ES BIETET.«

- ULI MAYER-JOHANSSEN
(IDENTITÄTSBASIERTE UNTERNEHMENS- UND MARKENFÜHRUNG)

 

 

HIER GELANGEN SIE ZU DEM VIDEOSTATEMENTS VON Uli Mayer-Johansssen

Das Ganze sehen

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Heidelberger Forum Geschäftsberichte 2015

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Heidelberger Forum Geschäftsberichte 2015

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Heidelberger Forum Geschäftsberichte 2015

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Heidelberger Forum Geschäftsberichte 2015

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Heidelberger Forum Geschäftsberichte 2015

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Heidelberger Forum Geschäftsberichte 2015

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Heidelberger Forum Geschäftsberichte 2015

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Heidelberger Forum Geschäftsberichte 2015

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Heidelberger Forum Geschäftsberichte 2015

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Heidelberger Forum Geschäftsberichte 2015

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Heidelberger Forum Geschäftsberichte 2015

Heidelberg strahlte in diesen frühherbstlichen Tagen und Nächten. Schon der erste Abend des Coming-together in der behaglichen Altstadt eröffnete das Spiel von Fragen und Antworten.
Wie geht es weiter? Wie schnell kann sich das Profil der Geschäftsberichte ändern, wie kann man ihren Erfolg halten, festigen, überdenken? Weiter ausbauen oder verschlanken? Viele Frage­zeichen standen am Anfang in den Gesichtern der Teilnehmer. Der frische Skandal um VW zeigte noch Fassungslosigkeit, denn auch der aktuelle Geschäftsbericht von VW gab sich doch so seriös,
so glaubwürdig, so wie es sein sollte. Und doch nicht war. 

Das zehnte Heidelberger Forum Geschäftsberichte bedeutet zwanzig Jahre Beobachtung, Bewertung und Weiterentwicklung der Spezies Geschäftsberichte, die sich bis vor einigen Jahren dem Wett­bewerb des MANAGER-MAGAZINs stellte. Seit dem Ende dieses in der Öffentlichkeit attraktiv dar­gestellten Events präsentieren sich die ›Großen‹ (DAX 30 zugehörend) auf anderen öffent­lichen ­Bühnen, wenn überhaupt. Eine Klammer, die alles zusammenhält, ist mit Sicherheit das Heidelberger Forum, eine unverzichtbare Think-Station. Die Leiterin Professor Gisela Grosse: »In diesen zwanzig Jahren hat sich das Heidelberger Forum zu der zentralen Institution für ›Best Practice Shar­ing‹ in Sachen Geschäftsbericht entwickelt. Die vielfältigen Möglichkeiten des Austausches mit Experten und Verantwortlichen der Unternehmen werden von den Teilnehmern als Impuls­geber für das eigene Handeln bezeichnet. Das Konzept der Veranstaltungen war und ist für die Entscheidungsträger angelegt.«

Prof. Gisela Grosse

»In diesen zwanzig Jahren hat sich das Heidelberger Forum zu der zentralen Institution für ›Best Practice Shar­ing‹ in Sachen Geschäftsbericht entwickelt.« 

Raus aus dem Elfenbeinturm der eigenen unternehmerischen Anforderungen und Zwänge hin zu dem Together: »Wie machen’s die andern, wir zeigen mal, wie wir uns das vorstellen.« Es ist eine simple Erkenntnis: über den eigenen Tellerrand hinaus zu sehen, den Horizont zu erweitern und unter professioneller Leitung neue Perspektiven zu nutzen. 

 

 

 

Diesmal ging es ums Ganze

Ende September 2013 war es wieder so weit: Das neunte Heidelberger Forum Geschäftsberichte – inzwischen eine zentrale Institution für ›best practice sharing‹ – eröffnete die Diskussion um aktuelle Finanz- und Unternehmenskommunikation. Während sich die zweitägige Veranstaltung bisher oft Einzelaspekten um das Themenpaket Geschäftsberichte widmete, ging es diesmal ums Ganze: den Geschäftsbericht in seiner heutigen medialen Inszenierung – bereichert um Online-Version, Apps und Bewegtbild. Unter dem Thema ›Das System Geschäftsbericht‹ lud Frau Prof. Gisela Grosse Fachleute aus der Wissenschaft und Wirtschaft ein, neben einem kurzen Rückblick auch die faszinierende Zukunft der Berichterstattung in den Blick zu nehmen. Geschäftsberichtsmacher sehen sich ganz neuen Erfahrungen und Möglichkeiten gegenüber. Referenten und Teilnehmer lieferten sich spannende Dialoge über neue Spielarten und welche Spielregeln diese erfordern. 

Prof. Gisela Grosse

»In Anbetracht multipler Kommunikationskanäle wächst die Herausforderung für Unternehmen, ein in sich konsistentes und vertrauenswürdiges Selbstbild zu zeichnen.« 

Über der Fülle der neuen medialen Möglichkeiten schwebte die zentrale Frage: Was ist wesentlich? Frau Grosse beantwortete sie in ihrem Rückblick auf Ergebnisse des diesjährigen Wettbewerbs mit dem Bild: »Die Aufgabe, ein in sich konsistentes und vertrauenswürdiges Selbstbild zu zeichnen, ist für Geschäftsberichtsmacher existenziell.« Mit der steigenden Bedeutung des Mediums Geschäftsbericht sind auch die Kriterien der Bewertungen umfangreicher und anspruchsvoller geworden. Um das Wesentliche im Blick zu behalten, wird auch der Kriterienkatalog der inhaltlichen Bewertung vom Team Baetge jährlich aktualisiert. Sein Ergebnis: »Im Lagebericht hat der Prognosebericht, gefolgt vom Risikobericht, das größte Verbesserungspotenzial.«

Neben Prof. Grosse und Prof. Baetge konnten weitere Gastredner aus Theorie und Praxis neue Perspektiven auf die Finanz- und Unternehmensberichterstattung eröffnen. So erläuterte beispielsweise Dr. Herbert Meyer, Mitglied der AbschlussPrüferAufsichtsKommission (APAK) die Frage vieler Skeptiker, wer eigentlich die Prüfer prüft. Ein Experte von Heidelberger Druckmaschinen, Peter Tix, gab einen Einblick in die Welt des ökologischen Drucks. Die Unternehmensberaterin Sabine Stadelmann ging der Frage nach, wie die zunehmende Technologisierung und der Einfluss neuer Medien auf die betriebliche Organisationskultur wirkt. Einen Blick auf die Darstellung des Managements warf der Kunsthistoriker Prof. Dr. Reinhold Happel mit einem illustrierten Spaziergang durch die Kunstgeschichte des Porträts. Und der Psychologe Dr. Meinald Thielsch zeigte auf, wie sich ›Schönheit‹ im visuellen Ersteindruck von Websites, z. B. Onlineberichten, äußert. Drei repräsentative Unternehmen berichteten auf dem Heidelberger Forum aus der Praxis – darunter die Allianz, der Aufsteiger des Wettbewerbs 2013. Wie sieht die Zukunft der Berichterstattung aus Unternehmenssicht aus? Hier ließen sich auch die Unternehmen Siemens und Daimler in die Karten schauen.

Den ausführlichen Bericht zu den Themen des Heidelberger Forums werden Sie in der Oktober-Ausgabe 2013 der CCI-News finden.

von Lisette Nichtweiss

 

 

»In Anbetracht multipler Kommunikationskanäle wächst die Herausforderung für Unternehmen, ein in sich konsistentes und vertrauenswürdiges Selbstbild zu zeichnen.« Prof. Gisela Grosse

Rückschau auf das 8. Heidelberger Forum Geschäftsberichte

Das 8. Heidelberger Forum stellte Traditionen in Frage und bejahte die Impulse der Erneuerungen. Print oder Online? Die Zukunft des Geschäftsberichts stand wieder einmal auf dem Prüfstand.

»Ein Medium zwischen Print und Online« – Frage, These, Widerspruch? Das Seminar in der 11. Etage des Hochhauses der Heidelberger Druckmaschinen AG, der Print Media Academy, hat sich in den letzten sommerlich heiteren Septembertagen 2011 große Fragen gestellt und mit Antworten nicht gespart. Es wollte »den Geschäftsbericht als Leitmedium der Unternehmenskommunikation in Print und Online aus Expertensicht analysieren, diskursiv möglichen Lösungen ein Stück näher kommen und dadurch neue Impulse für das eigene Handeln erhalten«.

WARUM SOLLTEN WIR MITEINANDER REDEN, WENN WIR AUCH KOMMUNIZIEREN KÖNNEN?

Die zahlreichen Teilnehmer, sowohl börsennotierter als auch nicht börsennotierter Aktiengesellschaften – für die das Heidelberger Forum als ›best practice sharing‹ in Sachen Geschäftsbericht über Jahre schon Qualitätsmerkmal ist – diese Vertreter interessierter Unternehmen ließen sich hoch über Heidelbergs Häusern zunächst über die Ergebnisse berichten, die zu den besten Geschäftsberichten im Manager-Magazin-Wettbewerb 2011 führten. Die Veranstalterin – das nun seit 8 Jahren die gestalterische Qualität der Geschäftsberichte bewertende Institut (Corporate Communication Institute der Fachhochschule Münster, CCI) unter Leitung von Professor Gisela Grosse – ließ deutlich erkennen, wie sich die Qualität der visuellen Ausstattung im Laufe der Zeit geändert hat: von üppigen seitenumfänglichen Ausmaßen zu krisenbedingten Verschlankungen bis hin zur zurückhaltenden Eleganz, seltener in Aufmerksamkeit heischenden lauten Farben. Diesmal präsentierten sich auffallenderweise viele in Lacken und Prägungen, deutliche Hinweise auf ihre Kostbarkeit. Ob die gelegentlich mehr als 400 Seiten starken Dokumente nicht an Umfang und Zumutbarkeit ihre Grenzen erreicht haben, wurde in verschiedenen Zusammenhängen infrage gestellt. In Herstellung und Verarbeitung habe sich viel getan, aber Außergewöhnliches sei rückläufig, so Professor Gisela Grosse. Das zu begrüßende Niveau lasse leider Herausragendes vermissen. Sorgenkind seien nach wie vor die Informationsgrafiken, obwohl diese doch ein wesentliches Element der Geschäftsberichte sind. Bis auf wenige Ausnahmen ist eine gleichbleibend tiefe Navigationsstruktur im Konzernabschluss und im Konzernanhang leider noch zu selten.

Was die inhaltliche Bewertung angeht, stellte Dr. Tatjana Oberdörster für das Prüfteam Inhalt ganz allgemein eine kontinuierlich sich verbessernde Qualität fest. Durch die jährliche wissenschaftliche Bewertung des seit 1995 vom Manager Magazin veranstalteten Wettbewerbs ›Der beste Geschäftsbericht‹ sei man dem Ziel der Förderung von Qualität in der Berichterstattung wesentlich näher gekommen. Qualität meint ja auch: eine Informationsbasis, mit der sich Leser einen aussagekräftigen Überblick über die prognostizierte Entwicklung des berichtenden Unternehmens verschaffen können. In die gleiche Richtung ging auch die Einschätzung von Professor Rudi Keller, Prüfteam Sprache, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Die Qualität habe sich im Laufe der Zeit, eben auch durch die jährliche Unterwerfung des wissenschaftlichen Bewertens so verbessert, »dass wir nun die Konsequenz gezogen haben, ein strikteres Malus-System zu etablieren und ›schärfer‹ zu urteilen«, da die Differenzierungsmöglichkeiten in den oberen Punktbereichen inzwischen zu eng geworden seien. In einem so lehrreichen wie auch unterhaltsamen Vortrag zeigte Keller an Satzbeispielen die versteckten Botschaften misslungener Sprachschöpfungen: bürokratische Schaumgeburten an Formulierungen, die ins Dickicht ›kannitverstan‹ führen. Sprache ist nun mal verräterisch, besonders wenn sie angepasst wird wie ein schlecht geschneiderter Anzug, der Schwächen kaschieren will, sie aber umso mehr betont. Die Sprache zeigt eben, wes Geistes Kind sie nutzt. Empfehlung des Referenten: Aufrichtigkeit, Klarheit, Vertrauenswürdigkeit. Ach ja, ertrauenswürdigkeit, denn das war das Thema: Dazu gehöre auch, sich Schwierigkeiten zu stellen, Zweifel deutlich zu formulieren – anstatt die Leser mit sprachlichen Nebelschwaden im Unklaren zu lassen. Daraus entstanden schon manche Kalauer, die Keller zum Besten gab.

WO SPRACHE SICH IN BILDERN FINDET

Die Sprache hat auch da ihre Grenzen – oder muss sich neu erfinden – wo das mediale Zeitalter uns schon längst in Besitz genommen hat: der bereits selbstverständliche Umgang mit Handy, I-phone, I-pad ... Nebenbei, fast alle Teilnehmer nutzten ganz selbstverständlich die elektronischen Helfer in den Pausen zur Kommunikation mit der Firma, es wurden Arbeitsinformationen abgefragt, vermittelt, Verabredungen getroffen, gegoogelt, Fahrpläne studiert, SMS lautlos ins All gesendet. Robin Karpp, Leiter Investor Relations und Gastgeber der Heidelberger Druckmaschinen AG, brachte es auf den Punkt: »Auch die Finanzkommunikation muss die Neuen Medien nutzen, um bestehende Beziehungen zu pflegen und weitere Zielgruppen zu erreichen, die im Zeitalter von Web 2.0 aufwachsen. Vor allem Privataktionäre müssen auf den Kanälen angesprochen werden, auf denen sie sich täglich bewegen. Dazu zählen neben Onlineblogs auch verschiedene andere Plattformen wie Twitter und Facebook. Eine weitere Notwendigkeit stellt die Optimierung der Inhalte der Finanzkommunikation auf die neuen Ausgabegeräte wie Smart-Phones und Tablet-PCs dar. Im Gegensatz zu der zielgerichteten, nachhaltigen Berichterstattung steht im Zeitalter von Social Media die schnelle und breite Informationsverbreitung im Vordergrund.«

»NEHMEN SIE EINE WEITERE PLATTFORM MIT AN BORD?«

Da war es wieder, das aktuelle Thema, das mit einem grafisch-haptischen Cursor-Pfeil auf der eleganten Einladung nach oben wies: Dahin geht die Zukunft. Am Beispiel des noch jungen Unternehmens SolarWorld AG zeigte deren Vertreterin, Sybille Teyke, wie das Unternehmen ihre Klientel ansprechen will: so papiersparend wie möglich, nachhaltig, weborientiert. Schon allein aus Kostengründen will das weltweit nach Sonnenvermarktung suchende Unternehmen schnell und präzise und vorne sein. »Die SolarWorld verbindet die Finanz- und Nachhaltigkeitsberichterstattung in einem integrierten Bericht. Besonders relevante ökologische und soziale Themen werden eingehend im Konzernlage­bericht dargestellt. Für alle weiteren Details zur Nachhaltigkeitsleistung nutzen wir das Medium Internet.« Natürlich: Das erfolgreiche Unternehmen hält sich jung, passt sich dem veränderten Nutzerverhalten spontan und ideenreich an. Es gibt Videoclips, mit der Handkamera weltweit spontan abgefragte Statements (kostet eine Lächerlichkeit gegenüber der aufwendigen Inszenierung von Vorstands-Gruppen-Porträts, z. B.), die sagen es bewegt-bildlich: Wir sind da. Mit der Online-Berichterstattung, so die Referentin, ist man aktueller, kann schneller agieren, reagieren, kommunizieren. Informationen treffen zielgenau, vorausgesetzt die Suchmaschine ist gut. Beliebtes Argument gegen Print: Papiersparen, bessere Klimabilanz durch Reduktion der Co2-Emissionen. Wobei Kritiker bemerkten, dass die Installation neuer Server mit ihrem Stromverbrauch natürlich auch in die CO2-Bilanz einfließt ... Die Portofrage beim klassischen Versand von manchmal hunderttausenden von HV-Einladungen mit oder ohne Kurzbericht scheint die Etats der Abteilungen mittelgroßer und großer Unternehmen zu beschäftigen. Es muss gespart werden, aber wo effizient? Ob ausgerechnet am Produkt der Einladung Qualität geopfert werden soll, ob weniger wiegendes, klein-formatiges Papier das Image mehr schädigt, als es Kosten spart? SolarWorld schickt ihren Online-Usern nach Wunsch (Print on Demand) einen in zwei derbe Pappkartons gehefteten Papier-Lage-Bericht. Einziger Hinweis auf den Absender: ein Firmenstempel mit Inhaltsübersicht. Nach Discounter-Philosophie eine nützliche Angelegenheit, nicht mehr, nicht weniger.

»ZWEI MEDIEN – EINE BOTSCHAFT«

Da zeichnet sich eine radikale Wende ab, das ist ein katzenhafter Sprung ins Gesicht der edlen Business-Outfits unserer traditionellen Geschäftsberichts-Dokumente. Ändern sich die Dress-Codes schneller als die Überlegungen in den Chefetagen? Viele Seminar-Teilnehmer brachten von zu Hause die Überzeugungen mit, die Online-Version sei zwar inzwischen selbstverständlich, aber doch nur eine der Technik geschuldete Ergänzung. Die Online-Präsentationen jedoch, so zeigten die lebhaften Diskussionen, drängeln sich vor, sie verlangen sozusagen nach Gleichstellung. Auch in der ihnen eigenen Gesetzmäßigkeit der Handhabung. Und die Vorträge und Diskussionen zeigten: Das ist ein weites, weites Feld. Will die Revolution ihre eigenen Kinder fressen? Eine Umfrage bei den Unternehmen, vom CCI veranlasst, zeigt eine eher etwas zögerliche Auffassung. Aus den Antworten ergibt sich eine gewisse Unsicherheit, wie man sich den Herausforderungen stellen soll. Bereits die Auswahl der Referentinnen und Referenten dieses 8. Heidelberger Seminars war eine reizvolle Mischung, gab sowohl den Konservativen als auch den Onlinern genügend Gelegenheit, nachdenklich zu werden. Die Vertreterin der BASF SE, Silke ­Christiansen, sprach sich zwar für integrierte Berichterstattung online und print aus, aber das Medium Online sei in einem weltweit bestimmenden Chemie-Konzern die angesagte, international abgerufene Sprache mit all ihren bewegten und beweglichen Bilddokumenten und den sich wie von selbst aktualisierenden Präsentationen und Botschaften. Den klassischen Abonnenten des Geschäftsberichts gibt es damit nicht mehr, lediglich über Klickraten auf einzelne Themen und die Verweildauer lassen sich Rückschlüsse auf die Nutzer des Geschäftsberichts schließen. Die meisten Teilnehmer sahen dann doch die Vorteile des gedruckten Geschäftsberichtes: Es ist und bleibt das Spiegelbild des Unternehmens, ist und bleibt die Visitenkarte, das Persönlichkeitsprofil, ein Buch, das eine Fortsetzungsgeschichte schreibt, jederzeit greifbar, haptisch, sinnlich, das Berichtsjahr in all seinen Facetten, inhaltlich, grafisch, rechnerisch nachweisbar. Denn: Wie haltbar ist das Medium Online in einer sich überstürzenden Zeit? Überholt es sich nicht ständig selbst? Ist es nicht bereits Vergangenheit, wenn es sich gerade formuliert? Wie viel Qualität, Seriosität, Nachdenklichkeit geht unterwegs verloren? Professor Norbert Nowotsch lehrt seit 1987 am Fachbereich Design der FH Münster. Er zeigte die Vergänglichkeit der Technik an alten, schweren VideoGeräten, den ersten Walkman, den ersten tragbaren Computern (23 kg) und ihren heute nicht mehr (oder nur mit immensem Aufwand und Kosten) zu konservierenden Inhalten. An einem Beispiel führte er vor, wie eine in einem einjährigen Prozess entstandene multimediale und interaktive CD-Rom innerhalb von drei Jahren zu Datenschrott wurde. Neueren technischen Entwicklungen prognostiziert er eine Lebensdauer von zwei Jahren! Und er warnte vor der kritiklosen Gläubigkeit an jedes neue Produkt, das der Markt wie die letzte Offenbarung auswirft, obwohl die nächste Generation bereits getestet wird. Er belegte, ironisch unterfüttert, die oft dümmliche Geschwätzigkeit der heutigen Werbe- und Kommunikationsflut, zeigte aber auch die Leichtgläubigkeit und Hingabe der immer jünger werdenden User an ›Social Media‹ ohne Rücksicht auf Preisgabe persönlichster Daten. Schöne neue Welt? Wo führt sie uns hin? Sonia Lopez-Sanchez von der GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) stellte das ›Media Efficiency Panel‹ vor, mit dem erstmals die Möglichkeit personalisierter Internetnutzung und Verweildauer in Beziehung zum Kaufverhalten im Internet untersucht werden kann. So werde zwar Google am häufigsten angewählt, die längs­te Verweildauer verzeichne aber Facebook. In der sich anschließenden Diskussion fragte man sich erstaunt, wer sich denn für diese doch einigermaßen intimen Einblicke in persönlichste Lebens-Konsumgewohnheiten und für welchen Preis zur Verfügung stelle? Lopez-Sanchez: Die Probandensuche sei einfach, gern stellt man sich zur Verfügung – und oft nur für ein bescheidenes Give-away. Die Lebensgewohnheiten scheinen sich immer mehr am Internet zu orientieren. Oft sind es Stunden um Stunden, die man vor dem Rechner verbringt, der mehr und mehr Bedürfnisse zu befriedigen und neue zu wecken scheint, begleitet von einem Ameisengewusel werbender Unternehmen (die zum Beispiel solche Umfragen zur richtigen Einschätzung ihrer Zielkonsumenten in Auftrag geben). Auch hier geht's schon im Kinderzimmer los. Die Studien zeigen erschreckend wachsende, Zeit verschlingende Gewohnheiten, Millionen von Nutzerstunden verenden hier. Der Untertitel der Einladung hatte ja mit dem Thema ›Der Geschäftsbericht – ein Medium zwischen Print und Online‹ gespielt. Das Seminar füllte diesen Zwischenraum mit Anregungen, Bedenklichkeiten, Visionen und Festhalten an den schließlich durch die hohe Schule der Wettbewerbe gereiften Standards. Die Antwort könnte sein: Nicht zwischen den Stühlen nimmt die Zukunft Platz, sondern auf beiden Stühlen. Die Referenten Keller und Nowotsch hatten die Teilnehmer auf die Qualität der Sprache im Gedruckten und die sichere Konservierung dort selbst aufmerksam gemacht. Auch wenn uns der ›apple‹ der Erkenntnis in neue digitale Welten führt, der traditionelle Buchmarkt boomt unverdrossen. Beweis sind die bereits unübersichtlichen Neuerscheinungen, ob Belletristik oder Sachbuch – das Buch geht nicht unter, wie einst ängstlich prophezeit. Die Medienkonvergenz scheint uns sicher, denn die Neuen Medien erfordern nicht nur eine medienspezifische Aufbereitung von Inhalten, sondern auch einen nachhaltigen Umgang mit Daten, eine dauernde Anpassung der Daten an neue technische Standards. Professor Grosse abschließend: »Letztendlich wird jedes Unternehmen selbst entscheiden müssen, wie es welche Medien angemessen nutzt.«

Ein Bericht von Lisette Nichtweiss

Rückschau auf das 7. Heidelberger Forum Geschäftsberichte

Das Motiv ›Farbe bekennen‹ hätte in Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise nicht aktueller, nicht prophetischer ausgewählt werden können.

Wie setzt der Geschäftsbericht seine roten und schwarzen Zahlen um? Im Text, im Inhalt, in der Gestaltung. Betreibt er Augenwischerei, um die Leser im Unklaren zu lassen? Oder hat er den Mut, ›Farbe zu bekennen‹, die Aktionäre mit ins Tal zu nehmen und ihnen eine realistische Zukunftslandschaft vor Augen zu führen? Und schließlich: Braucht man in der Krise überhaupt noch einen Geschäftsbericht, der den Anspruch haben soll, »ein Vertrauen schaffender Händedruck« zwischen Unternehmer und Anleger zu sein? An welchen Segmenten wird gespart? An der Ausstattung? Am Umfang? An der Ehrlichkeit?

Die Referenten des diesjährigen Heidelberger Forums waren zu diesem Fragekomplex maßgeschneidert angefragt und ausweislich hoher wissenschaftlicher Kompetenz klar in ihren Aussagen. Sie sprachen sich für Transparenz, Unternehmenskultur und Mitarbeiterkultur aus. Sie konnten auf internationale gesetzliche Regelwerke verweisen, die objektive Prüfungen ermöglichen und schwarze Schafe orten lassen. Vertrauen sei immer noch barer Geldwert -auch in Krisenzeiten.

In diesem Focus wurden nicht nur die Geschäftsberichte beleuchtet, sondern auch deren Zukunft. Bei der Beurteilung müsse immer das ›Zwitterwesen‹ Geschäftsbericht gesehen werden, das die Vergangenheit zu dokumentieren und die Zukunft zu prognostizieren habe. Für die Seminarteilnehmer aus großen deutschen Dax-Unternehmen stellte sich das Problem, für die nächste Zeit zwischen Sparzwang, Qualität und Wettbewerbsfähigkeit zu jonglieren. Professor Gisela Grosse, Institututsleiterin des CCI an der Fachhochschule Münster, hatte zum 7. Heidelberger Forum Geschäftsberichte eingeladen. Sie warnte vor Reduzierungen auf Kosten der Transparenz und der Qualität. »Die Glaubwürdigkeit der Kommunikation«, assistierte ihr Helge Werner von der Heidelberger Druckmaschinen AG als Hausherr der Veranstaltung, »dürfe nicht in Frage gestellt werden«.

Den prämierten Geschäftsberichten (in der neuesten Ausgabe vom Manager Magazin 10/09 ausführlich dokumentiert) sprach Professor Grosse allgemein hohe Qualität zu. Es sei wie beim Hochleistungs-Sport, die Differenzen liegen inzwischen bei Minimalwerten, wohl auch, weil sich das Niveau seit Einführung des Manager-Magazin-Wettbewerbs verbessert und das Regelwerk strenger geworden sei. Die im Durchschnitt trotzdem schwächere Gestaltungsbewertung in diesem Wettbewerbsjahr sei insbesondere der Prüfung ökologischer und gesellschaftlicher Leistungsindikatoren geschuldet.

Über die Berichtspflicht und die Glaubwürdigkeit sprach Dr. Herbert Meyer, Präsident der DPR (Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung). Diese, von der Bundesregierung eingesetzte Institution (»Damit wir kein zahnloser Tiger sind«) konzentriert sich bei ihren Prüfungen auf »kritische und wesentliche Teile«, im Übrigen u.a. auch an Hand der Geschäftsberichte. Die aktuelle Bilanz der Fehlerquote von fast 25 Prozent sei eine »erschreckende Bilanz«. Die Ursachen sah er zum einen in einem sehr komplizierten Regelwerk, zum anderen in den Schwachpunkten der Lage-, Risiko- und Prognoseberichte. Er sprach sich deshalb für eine Vereinfachung der Rechnungslegungsstandards aus. Eine erforderliche schnelle europäische Gleichstellung der Prüfungsregulierungen sah er indessen nicht: Dazu müssten sehr viele Gesetze in den EU-Ländern geändert werden, ein zäher Prozess.

Vom Wasserpredigen und Weintrinken, also von der Glaubwürdigkeit im Kapitalmarkt aus Sicht großer Investoren sprach Christian Strenger, Aufsichtsrat der DWS Investment GmbH und unter anderem Mitglied der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex. Richtiges Handeln und Überzeugungsleistung seien Voraussetzungen für unternehmerische Glaubwürdigkeit. Rosiges Selbstbild und Selbstverliebtheit von Aufsichtsräten und Vorständen seien zwar menschlich, aber schädlich für die Unternehmen. Er warb für Verständlichkeit, klare Vorgaben, partnerschaftliches Verhalten, intensiven Dialog – von Authentizität. Sein Hinweis: Independant in mind. Für eine erfolgreiche Geschäftsführung empfahl er Null-Toleranz bei signifikantem Fehlverhalten, intensive Darstellung der ‚Non-Financials‘ und ausreichende Rechenschaft über frühere Prognosen und deren Erfüllung. Konservatives Understatement anstatt Schönwetterphilosophie. Die Unternehmensethik müsse stimmen, das heißt, sie müsse nachhaltig angelegt sein. Berechenbarkeit für Mitarbeiter und Anleger. Es täte gut, wenn mehr Frauen in die Aufsichtsräte kämen. Aber nicht durch Quoten, sondern durch Leistung, durch »auf sich aufmerksam machen«. Auch er, wie die anderen Referenten übrigens auch, sprach sich gegen die Reduzierung oder Vernachlässigung von Geschäftsberichten in der Krise aus. Denn dafür gebe es keinen Ersatz.

Das inhaltliche Ergebnis der geprüften Geschäftsberichte wurde von Professor Dr. Dr. h.c. Jörg Baetge, Leiter des manager magazin Wettbewerbs und Leiter des Prüfteams Inhalt, mit der Botschaft verbunden, dass trotz Krise die Qualitätswerte leicht gestiegen seien. Im Geschäftsbericht werde die Kommunikation von Umwelt- und Mitarbeiterbelangen stärker geprüft werden. »Eine starke Unternehmenskultur erwirke unternehmerischen Erfolg«. Unternehmenskultur würde über Artefakte, Zeichen und Symbole visualisiert.

Das 7. Heidelberger Forum Geschäftsberichte trat mit seinen wissenschaftlichen Vorträgen aus dem Schatten der Krise und beleuchtete optimistisch ihre Chancen. Einen besonderen Akzent setzte der Geschäftsführer der Keese & Sollmann Beratungsgesellschaft, der Coach und Kommunikationsberater Ulrich Sollmann, der sozusagen die Forderung nach Glaubwürdigkeit und Überzeugungsfähigkeit weich zeichnete und psychologisch unterlegte.

Als Vertreterin des Wettbewerbssiegers, ThyssenKrupp, gab Barbara Scholten Einblicke in die Philosophie des Unternehmens die Mitarbeiter stark einzubinden. Diese stellten (fast familiär) die fotografierten Personen, nicht von Agenturen gecastete Models.

Carol Sizmur von der BASF, porträtierte ihr Unternehmen als weltweit agierendes Netzwerk, das sich auf die Verbindung von Öknonomie, Ökologie und Wirtschaft konzentriere. Ihre Geschäftsberichte werden durch magazin-ähnliche Kurzfassungen ergänzt. Die Deutsche Post DHL mit ihrer weltweiten integrierten Logistik, so Susanne Stacklies, setzt auf das gute, alte Postgelb und eine durchgängig fortgesetzte und transparente Berichterstattung.

Farbe bekennen, das war’s: Alle kritischen Beiträge in diesem siebten und dem ersten – an den Grundfesten der Geschäftsberichte rüttelnden – Seminar in schwieriger Zeit steuerten auf ein Ziel: Der Geschäftsbericht bleibt wichtigstes Scharnier zwischen Unternehmen und Anlegern, zwischen Innen und Außen, zwischen Oben und Unten. Es sei nicht klug, hier an die Substanz zu gehen. Ob an der Ausstattung der Geschäftsberichte in Zukunft so gespart werden muss, dass es für die Nutzer demonstrativ sichtbar wird oder eben nicht, das – so zeigte eine spannende Diskussion – wird entsprechend der Strategie der Unternehmen in den Chefetagen entschieden.

Text von Lisette Nichtweiss

 
 
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